Woher Kommen Kurden?

Woher Kommen Kurden
Erklärt: Wer sind die Kurden? Wer Kurdistan nicht auf einer Karte zeigen kann, ist damit nicht allein. Es ist kein souveräner Staat, aber für die Kurden – eine ethnische Gruppe, der schätzungsweise zwischen 30 und 35 Millionen Menschen angehören – ist er mehr als nur ein ferner Traum von Selbstbestimmung.

  • Ihr Siedlungsgebiet, welches sich größtenteils über den Osten der Türkei sowie die Randbereiche des Iran, Irak und Syrien erstreckt, zählt zu den unbeständigsten Regionen der Welt.
  • Die Kurden sind die weltweit größte staatenlose ethnische Gruppierung.
  • Sie stammen aus dem Nahen Osten, aber sowohl Gelehrte als auch die Kurden selbst sind sich uneins über den genauen Ursprung der Ethnie.

Auch ihre Glaubensvorstellungen gehen auseinander: Beim Großteil der Kurden handelt es sich um Sunniten, aber auch andere Religionen werden praktiziert. Klar ist nur, dass es eine gemeinsame kurdische Identität und Sprache gibt. Beides entstand wahrscheinlich im Mittelalter.

Seither haben die Kurden die Geschichte der heutigen Länder Iran, Irak, Syrien und Türkei auf unterschiedliche Weise beeinflusst. Obwohl die Kurden in der Region erfolgreich waren und Einfluss hatten, verloren sie ihre Gebiete, als das Osmanische Reich im 16. Jahrhundert einen Großteil der kurdischen Territorien eroberte.

Auch die Niederlage des Reiches im Ersten Weltkrieg erwies sich für sie als Rückschlag. Laut dem Vertrag von Sèvres von 1920 sollte das Osmanische Reich aufgelöst werden und die Alliierten versprachen Kurdistan Autonomie. Was für die wachsende Nationalbewegung der Kurden wie ein Sieg für ihre Sache aussah, kam jedoch nie zustande.

  • Der Vertrag wurde nie ratifiziert.
  • Die Türkei verhandelte erneut mit den Alliierten, und so wurde 1923 der überarbeitete Vertrag von Lausanne auf den Weg gebracht – ohne Pläne für ein autonomes Kurdistan.
  • Seither haben die Kurden mehrfach versucht, ihren eigenen Staat zu gründen, bislang allerdings vergebens.

Interview mit Nadia Murad | Global Positive Forum In der Türkei sind die Kurden die größte ethnische Minderheit, werden aber seit langem von staatlicher Seite unterdrückt. Bis vor wenigen Jahren war dort sogar der Gebrauch der kurdischen Sprache verboten.

  • Aufgrund der Spannungen kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen der Separatistenbewegung und türkischen Truppen.
  • Der bewaffnete Kampf der PKK gegen die Türkei, der seit 1984 tobt, hat mittlerweile mehr als 40.000 Opfer gefordert – die Mehrheit davon waren kurdische Zivilisten.
  • In den frühen Neunzigern floh diese Familie aus ihrer vom Krieg zerrissenen Heimat bei Kirkuk im Irak.

Auf dieser Aufnahme versammelt sie sich um ein Lagerfeuer in Ranjwin an der Grenze zum Iran. Foto von, Der Konflikt hat sich mittlerweile auch auf Syrien ausgeweitet, wo die Kurden ebenfalls die größte ethnische Minderheit sind. Auch dort leiden die Kurden seit langem unter staatlicher Unterdrückung.

  • Während des Bürgerkriegs haben sie allerdings große Landesteile im Norden Syriens unter ihre Kontrolle gebracht und arbeiteten im Zuge dessen oft mit den US-Streitkräften zusammen gegen den Islamischen Staat.
  • Anfang Oktober 2019 zogen die USA Truppen von der türkisch-syrischen Grenze ab, als das türkische Militär in die von den Kurden kontrollierten syrischen Gebiete vorstieß.

Auch die Kurden im Irak litten jahrzehntelang unter Konflikten und Blutvergießen. Während des Ersten Golfkriegs in den Achtzigern setzte der Irak chemische Kampfstoffe gegen kurdische Zivilisten ein und schlug eine Rebellion blutig nieder. Zehntausende Kurden starben, hunderttausende flohen.

Haben Kurden eine Nationalität?

Statistiken — Die Anzahl der Kurden ist nicht amtlich erfasst, weil Menschen (In- und Ausländer) in amtlichen Statistiken nach ihrer Staatsangehörigkeit erfasst werden. Da aber das Volk der Kurden keinen eigenen kurdischen Nationalstaat besitzt, kann es somit auch keine kurdische Staatsangehörigkeit geben.

Welches Land gehört zu den Kurden?

Ausdehnung Kurdistans und Gebietsansprüche im Laufe der Geschichte Kurdistan ( kurdisch کوردستان Kūrdistān; arabisch كردستان, DMG Kurdistān ; persisch کردستان Kordestān ; türkisch Kürdistan ) ist ein nicht genau begrenztes Gebiet in Vorderasien, das als historisches Siedlungsgebiet der Kurden betrachtet wird.

Einige der Staaten, über die sich dieses Gebiet erstreckt, vermeiden die Bezeichnung Kurdistan oder verbieten den Gebrauch des Begriffes sogar. Sein Gebrauch wird hingegen von breiten Schichten der kurdischen Bevölkerung gefördert bzw. gefordert. Das gesamte kurdische Siedlungsgebiet umfasst je nach Definition 440.000 bis 530.000 km² und verteilt sich auf die Staaten Türkei, Irak, Iran und Syrien,

In diesen Gebieten leben neben Kurden auch Araber, Perser, Aserbaidschaner, Türken, Turkmenen, Armenier und Assyrer / Aramäer,

Ist Kurdisch wie Arabisch?

Zwölf bis 30 Millionen Menschen sprechen eine kurdische Sprache. Kurdisch ist neben Arabisch offizielle Amtssprache in Irak und wird in der Autonomen Region Kurdistan sowohl im Alltag als auch von den Behörden und im Bildungswesen verwendet. Dabei werden allerdings vier unterschiedliche Dialekte gesprochen.

Was ist typisch für Kurden?

Kurdische Rezepte: Einfache Vorspeisen — Zu den typischen kurdischen Beilagen oder Vorspeisen gehören Kutilk. Das sind Teigtaschen aus Bulgur, Mehl und Ei, die mit gewürztem Hackfleisch gefüllt werden. Rote Linsensuppe auf kurdische Art können Sie als Vorspeise oder – mit etwas Fladenbrot – als Hauptgang essen.

  1. Sie wird traditionell mit Minze gewürzt.
  2. Für Ihr kurdisches Vorspeisenbuffet empfehlen wir außerdem Diese Spezialität kennen Sie vielleicht aus dem Kreta-Urlaub, sie stellt den mediterranen Einfluss auf kurdische Essenstraditionen gut unter Beweis.
  3. Die Kurden mögen es aber ein wenig schärfer als die Griechen und würzen ihre Reisfüllung daher mit Chili.

Auch eine Mischung aus Reis und Joghurt ist üblich. Tipp : Ein Spritzer Zitronensaft nimmt den Weinblättern ihren eventuell bitteren Eigengeschmack.

Wer sind die Vorfahren der Kurden?

Wer waren die Vorfahren der Kurden? — Ethnogenese – Kurdisches Siedlungsgebiet (zeigt verschiedene kurdische Dialekte) Zur Frage der Ethnogenese liegen verschiedene Thesen vor, wobei zu beachten ist, dass über diesen langen Zeitraum Völkervermischungen stattgefunden haben. Wie John Limbert betont, muss man zwischen dem Namen des Volkes und der Landschaft unterscheiden.

  1. Die antiken Namen sind von fremden Berichterstattern überliefert, die nicht immer mit den politischen und ethnischen Verhältnissen vertraut, oft auch nicht daran interessiert waren.
  2. Namen für Bevölkerungsgruppen und Landschaften wurden nicht genau unterschieden und oft von einer Gruppe auf eine andere übertragen.

Eine spätere Gruppe kann zudem auf einen älteren Namen zurückgreifen. Oft verwenden antike und mittelalterliche Historiker für neue Gruppen historische Namen, wie etwa im Fall der Skythen oder Perser, In jüngerer Zeit wurde die Abstammung der Kurden von verschiedenen antiken Völkern Kleinasiens erwogen:

  • Theodor Nöldeke identifizierte Strabos Kyrtioi (Κύρτιοι, Geographika 11, 523, 727) und die Cyrtii des Livius (z.B.42, 58, 13) als Vorformen des Namens Kurden. Die Gleichsetzung der Kyrtioi mit den Kurden geht auf F.C. Andreas zurück.
  • Godfrey Rolles Driver hielt die Qarda südlich des Vansees, die seit dem ersten Jahrtausend belegt sind, für mögliche Vorfahren der Kurden.
  • Nach der Fachenzyklopädie Der Kleine Pauly sind die Karduchoi des Xenophon als die Vorfahren der Kurden anzusehen. Diese Ableitung wird von John Limbert aus linguistischen Gründen angezweifelt.
  • Wladimir Fjodorowitsch Minorski hat einerseits die kurdische Sprache von der medischen hergeleitet, verwies zum anderen aber auf die Gefahr, Sprache und biologische Abstammung zu verwechseln.
  • Arshak Safrastian hält die Kurden für die direkten Nachkommen der Gutäer und Kassiten, Auch William G. Elphinston berichtet, ohne Angabe von Quellen, dass die Kurden von „einigen Autoritäten» von den Guti – „Kardaka, Kurtie oder Guti» – am Vansee hergeleitet werden.
  • Ferdinand Hennerbichler postuliert eine ungebrochene Kontinuität der Kurden von den frühneolithischen Ackerbauern im Zāgros-Gebirge und Nordmesopotamien, wofür er ein reichhaltiges genetisches und historisch-ethnographisches Szenario entwirft.

Eine Argumentation über bloße Namensähnlichkeit ist ohne genaue linguistische Kenntnisse nicht stichhaltig. Die ethnische Zusammensetzung der Zagrosländer änderte sich durch die Eingriffe mehrerer Großmächte ständig (vgl. die assyrische Deportationspolitik ).

Was dürfen Kurden nicht essen?

Warum essen Muslime kein Schweinefleisch? Laut dürfen kein Schweinefleisch essen. Nur wiederkäuende Huftiere mit «gespaltenen Klauen», also Paarhufer,, Das Schwein ist zwar ein Paarhufer, aber kein Wiederkäuer und wird deshalb als unrein angesehen., und sind wie alle wiederkäuenden Paarhufer reine Pflanzenfresser, ihr wird von Muslimen als Nahrungsmittel verarbeitet.

Jegliches Fleisch von Tieren, die auf natürliche Weise verendet sind, also nicht geschlachtet wurden, soll laut Koran nicht verspeist werden, denn zum Verzehr geeignetes Fleisch muss völlig ausgeblutet sein. Blut darf weder gegessen noch getrunken werden. Im Koran heißt es: «Verboten ist euch das Verendete sowie Blut und Schweinefleisch.» Für strenggläubige Muslime ist jedes Fleisch unrein, das mit einem Messer in Berührung gekommen ist, das zuvor ein Stück Schweinefleisch zerschnitten hat.

: Warum essen Muslime kein Schweinefleisch?

Was haben Kurden für einen Glauben?

Was ist eigentlich kurdisch? Zu Fragen des ethnischen Bewusstsein in der kurdischen Diaspora — Rosa-Luxemburg-Stiftung Es redet sich schnell daher, wenn man kaum etwas von den Selbstbildern anderer Völker weiß und sich aufgefordert fühlt, aus politischen oder anderen Gründen dennoch Meinungen zu äußern.

Zur kurdischen Frage haben die Medien jahrelang schlechte Vorarbeit geleistet. Magere Sachkenntnisse werden zusätzlich vereinseitig, Mitleid für Giftgasopfer oder Angst vor PKK-Terror emotionalisiert, Information bleibt aus. Ausgesprochen vielschichtig, kompetent und anregend daher der Vortrag von Birgit Ammann, die ihre Gedanken zu kurdischer Identität zu einer Dissertationsschrift fügte (demnächst gedruckt zu erwerben.) Ihre forschende Neugier, das Erlernen der kurdischen Sprachen und Lebensweisen sowie ausgedehnte Reisen in kurdische Siedlungsgebiete waren dabei von unermesslichem Wert.

In Deutschland leben heute, so Amman, weit mehr als eine halbe Million Kurden, rund die Hälfte aller im Verlauf der Jahrzehnte nach Westeuropa geflüchteten oder als Arbeitsmigranten eingewanderten. Laut Auskunft des zuständigen Bundesamtes wäre in Deutschland nahezu jeder dritte der kürzlich registrierten Flüchtling kurdischer Herkunft, allein 50-70 000 irakische Kurden kamen von 1994 und 1996.

  1. Heute identifizierten sich auch türkische Kurden zunehmend ethnisch, ein Vorgang, der früher wegen der drohenden Verfolgung unvorstellbar war.
  2. Die kurdische Diaspora, so Amman, sei aber trotz ihrer Brisanz bis heute wissenschaftlich kaum erforscht.
  3. Das europäische, auch das deutsche Kurdenbild werde stattdessen durch allianzpolitische Loyalitäten und die Medien vereinseitigt, die staatenübergreifende Zusammengehörigkeit trotz unterschiedlicher Herkunftsländer (Türkei, Syrien, Iran und Irak) kaum oder nur negativ wahrgenommen.

Amman sprach von der Besonderheit kurdischer Ethnizität trotz des fehlenden Nationalstaats, von Kultur, Sprachen, Fahnen, Geschichte, Abstammung, Mythen und Herkunftslegenden. Begriffe hoher Symbolkraft schaffen auch hier Zusammengehörigkeit, so der Traum einer «Heimatregion» Kurdistan, die sich real über vier Staaten erstreckt und seit dem elften Jahrhundert ein Gebiet ohne klare Grenzen ist.

Auch die Suche nach einem begründenden antiken Kulturvolk verbinde. In der neueren Geschichte werde das gemeinsame Leid der Verfolgung und Unterdrückung in allen Herkunftsländern zur Basis der Tradierung von Ethnizität für nachfolgende Generationen. Sprache ist stets Identitätskriterium, und so suchten türkische, arabische und persische Wissenschaftler den Nachweis, dass kurdisch Dialekt oder Pidgin ihrer Sprachen sei.

Identitätsbindende Funktion haben auch der Nationalfeiertag Newroz und die Märtyrer, die heimlichen Hauptstädte Diyarbakir, Sulaymania, Mahabad. Amman sprach ausführlich über das Fehlen einer gemeinsamen Religion. Kurden sind meist sunnitische Muslime, linken Kurden in der Diaspora gilt der Islam als reaktionär und dem Kurdentum widersprechend, doch Islamisierungstendenzen machen sich auch hier bemerkbar.

  • Zunehmend werde nun die yezidische Religion als ursprüngliche Religion aller Kurden betrachtet.
  • Die Yeziden wurden von Muslimen Jahrhunderte lang schwer verfolgt, teilweise ähnlich erging es den Aleviten in der Türkei.
  • Die kurdische Diaspora-Gemeinschaft hat sich eine europaweite Struktur geschaffen.
  • Schon vor der Anwerbung türkischer Arbeitskräfte durch westliche Industrieländer organisierten kurdische Studenten aus der Türkei, Syrien, dem Irak und Iran sich auf ethnischer Basis.1956 wurde in Deutschland die KSSE (Kurdish Students Society in Europe) gegründet.

Aufgrund hoher Bildung und eines souveränen ethnischen und politischen Selbstbewusstseins wurde daraus die Keimzelle für weitere Organisationen, auch wenn ethnische Unterschiede damals kaum thematisiert wurden. Migrierende Kurden kamen meist als Türken nach Europa, aus einem Land, in dem ihre Muttersprache verboten und ihr Selbstbewusstsein weitgehend zerstört war, um die Lebensbedingungen zu verbessern.

Als am Beginn der 70er Jahre die Anwerbung von ausländischen Arbeitnehmern europaweit eingestellt wurde, war auch für Kurden legal nur noch der Weg über Familienzusammenführung offen — oder das Asylverfahren. Birgit Ammann sprach auch von der Vernetzung parteipolitisch gebundener Organisationen, von Kulturzentren, Frauengruppen, Kindertagesstätten, Jugendfreizeitstätten, akademischen Zirkeln, Künstlervereinigungen, Verlagen, Medienbetrieben, die kurdische Interessen wahrnehmen und als politische Artikulatoren in Europa fungieren.

Lehre, Forschung, Sprachkurse, Museums- und Ausstellungsarbeit, Filme, Lesungen und Konferenzen sind dabei Mittel zur Artikulation. (Parteigebundene) Fernsehsender, Rundfunkprogramme und das Internet kommen dazu. Diese Öffentlichkeits-, Informations- und Bildungsarbeit verbindet sich teilweise mit der Forderung nach Anerkennung als eigenständige Volksgruppe mit entsprechenden Rechten in den Aufnahmeländern sowie mit der Mobilisierung unpolitischer beziehungsweise assimilierter Kurden.

  1. Zu Konflikten in und mit den europäischen Staaten führt die aktive Unterstützung des politischen Kampfes in den Herkunftsregionen.
  2. In den meisten großen Städten der alten Bundesrepublik und in Berlin gibt es heute eine breite kurdische Infrastruktur, zu der soziale Beratung, Selbsthilfeorganisationen, Männercafés mit Kartenspiel, Geschäfte, Ärzte, Lokale gehören.

Kurdische Konzerte, Feste und Konferenzen sind informell und erfolgreich, die erweiterte Familie hat nach wie vor einen hohen Wert. Die Antwort auf «Was ist kurdisch?» ist demnach vielschichtig und verändert sich. Überlappungen sind die Regel. Kurden können sich zugleich als Muslime, Yezide oder Atheisten, als Deutsche oder Syrer beschreiben, sie müssen nicht in kurdischem Gebiet von kurdischen Eltern stammen und kurdisch als Muttersprache sprechen oder kurdische Politikansätze verfolgen.

Auch ihre Ethnizität wird je nach Umgebung und Situation mobilisiert oder verleugnet, immer wieder entstehen Konkurrenzen der einzelnen Identitätskriterien und Loyalitäten untereinander. In der Diskussion wurden zahlreiche kurdische Selbstverständlichkeiten nachgefragt, spielte u.a. der Vergleich von kurdischer und jüdischer Identität eine Rolle, nicht nur wegen des Diaspora-Begriffs, sondern auch, weil heute in Israel etwa 150 000 bis 200 000 Nachfahren von Kurden aus verschiedenen Herkunftsregionen auch als Juden und Israelis leben.

Das Thema jüdische Identität wird Gegenstand einer Debatte im September sein. : Was ist eigentlich kurdisch? Zu Fragen des ethnischen Bewusstsein in der kurdischen Diaspora — Rosa-Luxemburg-Stiftung

Hatten die Kurden Mal ein Land?

Erklr’s mir Die meisten Kurden lebten einmal in einem groen Reich mit anderen Vlkern zusammen. Es hie das Osmanische Reich. An seiner Spitze standen Trken. Ein paar der Kurden lebten aber auch schon damals in einem anderen Land, das heute Islamische Republik Iran heit.

Das Osmanische Reich, das an der Seite von Deutschland gekmpft hatte, ging nach dem Ersten Weltkrieg unter. Die Kurden hofften nun, dass sie nach der Niederlage ein eigenes Land grnden knnten. Doch die Sieger – das waren vor allem Franzosen und Briten – einigten sich damals mit den Trken, dass es zwar ein Land Trkei geben soll, aber keinen eigenen Kurdenstaat.

Neben der Trkei wurden auch noch andere Lnder neu geschaffen, in denen Kurden lebten. Das sind die heutigen Lnder Syrien und der Irak. In allen drei Lndern, aber auch im Iran wurden die Kurden immer wieder unterdrckt. In der Trkei durften sie lange Zeit ihre Sprache nicht sprechen.

Wie begrüssen sich Kurden?

Silav!: Hallo! Rojbaş.: Guten Morgen. Şevbaş.: Guten Abend.

Wo gibt es die meisten Kurden?

Kurdische Einwohner (Schätzung 2017): Türkei : 12-15 Mio. Iran: 6-9,2 Mio. Irak: 5-7 Mio. Syrien: 2,8 Mio.

Sind Kurden Perser?

Zu den bezeichneten ethnischen Gruppen — Gewänder alter persischer Adliger und Soldaten Ein Perser (links) und ein Meder (rechts). Der Apadana in Persepolis Die Perser waren ursprünglich ein westiranisches Volk in der Region nördlich des Persischen Golfs, im Gebiet der Persis (die heutige iranische Provinz Fars ). In der akademischen Literatur zu Zentralasien nennt man sie Tadschiken („Perser Zentralasiens»), im Kaukasus nennt man sie Tāt oder Taten („Perser des Kaukasus»).

  • Iraner = Staatsbürger der Islamischen Republik Iran
  • Iraner bzw. Iranier = iranischsprachige Menschen einschließlich Menschen, die sich als Nachkommen der einstigen iranischen Baktrier, Perser, Meder, Sogdier, Parther etc. sehen.
See also:  Lebensmittelmotten Woher?

Im engeren Sinn handelt es sich dabei hauptsächlich um die heutigen Perser (Tadschiken), Kurden, Zazas, Paschtunen und Belutschen, In der persischen Mythologie bezieht sich das Wort nur auf die Perser.

  • Perser = persischsprachige Menschen – Kurden und Paschtunen sind nach ihrem Selbstverständnis keine Perser,
  • Nach moderner, allerdings unzureichender Definition werden die Angehörigen des Volkes der „Perser» in folgende persischsprachige Gruppen eingeteilt:
    • Fārsī (im Westen)
    • Tādschīk („Perser Zentralasiens», im Osten)
    • Tāt ( Tat oder Taten, „Perser des Kaukasus «)
    • Hazāra (in Zentralafghanistan )
    • Aimāq (an der iranisch-afghanischen Grenze)

Hier entspricht der Begriff der oben genannten, im Abendland erfolgten sprachlichen Verallgemeinerung, welche zur Gleichsetzung aller iranischen Stämme mit dem Stamm der Perser führte.

  • Tadschiken = heute bezieht sich das Wort fast ausschließlich auf die persischsprachige Bevölkerung in Tadschikistan, Usbekistan und Afghanistan, Im Gegensatz zum Wort Perser hat sich das Wort Tadschik bis heute als Selbstbezeichnung jener Bevölkerung erhalten. Ein weiterer möglicher Ursprung des Wortes ist der alt- chinesische Begriff Ta-Hia ( Baktrien ).
  • ‘Adscham = arabischer Name für das Volk der Perser bzw. alle Nichtaraber ; Selbstbezeichnung der persischstämmigen Bevölkerung in Bahrain, Kuwait, UAE und im restlichen arabischen Sprach- und Kulturkreis.
  • Parsen = Anhänger des Zarathustra in Indien (siehe auch Parsismus und Zoroastrismus ).

In historischem Kontext findet sich Perser dann natürlich auch unspezifisch auf die jeweiligen Staatsvölker der als Perserreich oder Persien bzw. Iran bezeichneten Territorien bezogen.

In welchem Alter heiraten Kurden?

Startseite Politik

Erstellt: 17.01.2011 Aktualisiert: 23.01.2019, 02:44 Uhr Kommentare Teilen Woher Kommen Kurden In der Türkei darf ein Mann offiziell nur eine Frau gleichzeitig zur Ehefrau nehmen. © dpa Die Vielehe ist in der Türkei auf dem Vormarsch, die konservative Regierung duldet den Trend — dabei ist sie gesetzlich seit 1923 verboten. Vor Zivilgerichten sind Zweit- und Drittfrauen praktisch rechtlos.

Immer mehr türkischen Männern reicht eine Ehefrau nicht aus – sie nehmen sich eine zweite oder gar ein dritte und vierte. Die Vielehe ist zwar in der Türkei seit 1923 gesetzlich verboten, aber trotzdem weit verbreitet, wie eine jetzt veröffentlichte Studie zweier Wissenschaftler der angesehenen Hacettepe-Universität in Ankara zeigt.

Die Untersuchung wurde von der Gleichstellungskommission des türkischen Parlaments in Auftrag gegeben. Ilknur Yüksel Kaptanoglu und Banu Ergöcmen vom Institut für Bevölkerungsstudien stellen in ihrer Studie einen zunehmenden Trend zur Polygamie fest. Etwa 186.000 türkische Frauen müssen danach ihren Mann mit einer oder mehreren anderen Frauen teilen.

Vor allem in den Ost- und Südostprovinzen des Landes ist die Polygamie verbreitet. Häufig suchen sich türkische Männer eine Zweitfrau, wenn die gesetzlich angetraute Gattin nicht den erwünschten Stammhalter zur Welt bringen kann.29 Prozent der Türken glauben der Studie zufolge, dass ein Sohn die Macht eines Mannes stärke.

In der Nordosttürkei vertreten sogar 56 Prozent diese Ansicht. Der Islam erlaubt einem Mann bis zu vier Ehefrauen, und die Imame in den ländlichen Gebieten segnen Vielehen meist widerspruchslos ab. Vor den Zivilgerichten sind die Zweit- oder Drittfrauen allerdings praktisch rechtlos.

Die islamisch-konservative Regierungspartei dulde den Trend zur Zweitfrau, kritisieren Beobachter. Von mehreren Abgeordneten weiß man, dass sie mehrere Ehefrauen haben. Ein prominenter Politiker brüstete sich damit gar öffentlich. Die Studie der Wissenschaftler beschäftigt sich auch mit dem Heiratsalter: 5,5 Millionen Türkinnen, so die Untersuchung, haben vor dem 18.

Lebensjahr geheiratet – häufig gegen ihren Willen. Frühe Ehen mit fatalen Folgen Im Landesdurchschnitt ist bei immerhin vier von zehn Eheschließungen die Braut jünger als 18. Nach einer anderen Untersuchung, die im vergangenen Jahr von der Frauenrechtsorganisation „Ucan Süpürge» (Fliegender Besen) durchgeführt wurde, sind in den Kurdengebieten der Südosttürkei sogar fast sieben von zehn Bräuten jünger als 18 Jahre.

  • Das gesetzliche Heiratsalter in der Türkei liegt bei 16.
  • In der Praxis werden aber viele Mädchen schon mit 13, 14 oder 15 Jahren verheiratet.
  • Die Untersuchung betont, welche Folgen eine Ehe in so jungem Alter für Frauen hat: sie brechen in aller Regel ihre Schulausbildung ab und verlieren damit alle Chancen, einen Beruf zu ergreifen.

Dazu kommen die Gesundheitsrisiken einer Schwangerschaft in zu jungem Alter. Welche Konsequenzen das Parlament aus den Ergebnissen der Studie ziehen wird, ist noch unklar. „Fliegender Besen» führt bereits seit einem Jahr eine Kampagne, deren Ziel es ist, das gesetzliche Heiratsalter von 16 auf 18 Jahre heraufzusetzen.

Waren Kurden Christen?

Sunniten — Die meisten Kurden sind sunnitische Muslime, deren Gläubige der schafiitischen Rechtsschule folgen. Zudem hat die hanafitisch-sunnitische Rechtsschule eine große Bedeutung. Ihre Anhänger leben bzw. haben ihre Herkunft (falls sie in der Diaspora leben) überwiegend in den türkischen Provinzen Aksaray, Amasya, Ankara, Çankırı, Çorum, Kırşehir, Konya und Yozgat (siehe zentralanatolische Kurden ) sowie Adıyaman, Ardahan, Bingöl, Diyarbakır, Elazığ, Gaziantep, Kars und Şanlıurfa, darüber hinaus in den syrischen Distrikten Afrin, Ain al-Arab, al-Bab, Dscharabulus und Manbidsch,

Des Weiteren sind unter Kurden in geringem Maße sunnitische Muslime, die der hanbalitischen Rechtsschule folgen oder rechtsschulunabhängig sind, anzutreffen. Außerdem gibt es Sufis des Naqschbandīya -Ordens, vor allem in den türkischen Provinzen Adıyaman, Batman, Gaziantep, Mardin, Şanlıurfa und Şırnak sowie Sufis des Qādirīya -Ordens, vor allem in der irakischen Provinz Erbil,

Die etwa 3 bis 5 % kurdischen Zwölfer-Schiiten leben ganz im Süden des kurdischen Verbreitungsgebiets in den Distrikten Baladruz und Chanaqin in der Provinz Diyala und im Distrikt Badra in der Provinz Wasit sowie in den iranischen Provinzen Ilam, Kermānschāh und Luristan,

Sind alle Kurden Yeziden?

Namensbezeichnung Jesiden (Eziden) — In der Literatur existieren zahlreiche Namensbezeichnungen für Jesiden. In älteren Publikationen aus dem deutschen Sprachraum wurde vielfach von den «Jesiden», «Jezidi/s» oder auch «Yaziden» gesprochen. Viele Leserinnen und Leser haben erstmals durch Karl Mays populäre Bücher «Durch die Wüste»(1881) und «Durchs wilde Kurdistan» (1882) aus dem sechsbändigen Orientzyklus von den Jesiden erfahren, die in diesen Schriften «Dschesidi» genannt werden.

In den letzten Dekaden waren die Begriffe «Yeziden», «Jesiden» und «Eziden» in deutschsprachigen Publikationen am prominentesten vertreten. Im englischen Sprachraum wird meist der Name «Yezidis» oder «Yazidis» verwendet (Tagay & Ortac, 2016). Die in Deutschland lebenden Jesiden gebrauchen inzwischen mehrheitlich den Begriff «Eziden».

Dies spiegelt sich in der Namensgebung zahlreicher Vereine, Organisationen und Gemeinden wider, die in den letzten zwei Jahrzehnten in der Bundesrepublik Deutschland gegründet wurden. Der Begriff «Eziden» ist die etymologische Ableitung vom kurdischen Wort «Ezidi» beziehungsweise «Ezdai», was mit «der, der mich erschaffen hat», also «Schöpfer», übersetzt werden kann.

Damit wird der Gottesbezug in der Namensgebung besonders deutlich (Tagay & Ortac, 2016). Zentrale Figur neben dem Schöpfergott «Ezid» ist der «Engel-Pfau» (kurdisch: Tausi Melek), der von den Jesiden besonders verehrt wird. Nach jesidischer Mythologie hat Gott ihn mit sechs weiteren Engeln aus seinem Licht erschaffen, wobei Tausi Melek von Gott zum obersten der sieben Engel erkoren wurde.

Entgegen der vielfachen Behauptung von einigen Muslimen im Interner Link: Nahen Osten symbolisiert Tausi Melek weder den Teufel noch ist er der in Ungnade gefallene Engel. Tausi Melek wird von Jesiden als Stellvertreter Gottes auf Erden verehrt, der Gottes Plan und Werk ausführt.

Das Jesidentum kennt die Vorstellung von einem Teufel als Widersacher Gottes nicht. Vielmehr ist Gott einzig, allmächtig und allwissend und gilt als der Schöpfer des Universums und allen Lebens. Jesiden lehnen daher den Dualismus von Gott und Teufel ab; damit einher geht auch die Verneinung einer Höllen-Paradies-Vorstellung.

Woher kommt der Stress zwischen Türken und Kurden? I ATLAS

Die Aussprache des Namens des Teufels ist gleichbedeutend mit der Akzeptanz der Existenz dieser Kraft und stellt aus jesidischer Sicht einen Interner Link: blasphemischen Akt dar, der die göttliche Autorität infrage stellt. Daher wird der Begriff von Jesiden nicht ausgesprochen.

  1. Der wichtigste Feiertag der Jesiden ist der Îda Êzî (Fest zu Ehren Gottes ), der im Dezember zelebriert wird.
  2. Das Jesidentum kennt keine verbindliche religiöse Schrift wie etwa die Interner Link: Bibel oder den Interner Link: Koran,
  3. Die Vermittlung religiöser Traditionen und Glaubensvorstellungen beruht seit Jahrhunderten ausschließlich auf mündlicher Überlieferung.

Es gibt verschiedene Kategorien heiliger Texte (zum Beispiel Gebete), die überwiegend in Kurdisch-Kurmancî verfasst sind. Aufgrund der ausschließlich oralen religiösen Praxis hatten die Jesiden in ihrem vorwiegend muslimisch dominierten Umfeld nicht den Status von «Leuten der Schrift», also Anhängern einer Offenbarungsreligion, wie etwa die Juden oder Christen.

  • Sie galten damit vielmehr als «Ungläubige», «Götzen-» oder «Teufelsanbeter».
  • Diese falschen Darstellungen und Vorurteile waren immer wieder die Grundlage für die lange Verfolgungs- und Leidensgeschichte der Jesiden, die bis in die Gegenwart hineinreicht.
  • Gesellschaft und Kastenwesen Das Kastenwesen bei den Jesiden.

(Abbildung in Anlehnung an Tagay & Ortac, 2016.) (© Sefik Tagay) Die jesidische Gesellschaft wurde vor über 800 Jahren von dem Reformator Scheich Adi (1074-1162) in drei Kasten eingeteilt (siehe Abbildung 1), für die ein striktes Endogamiegebot nach innen und auch außen gilt.

Heiraten außerhalb der jesidischen Gesellschaft (Endogamiegebot nach außen) sind ebenso verboten, wie Eheschließungen zwischen den Kasten (Endogamiegebot nach innen). Die Laien (Mirîden) stellen mit rund 80% die größte Gruppe dar, gefolgt von den beiden Priesterkasten, den Scheichen (ca.15%) und den Pîren (ca.5%).

Ein Laie darf nicht in eine der beiden Priesterkasten wechseln und umgekehrt ist dies auch nicht möglich. Die Kasten der Scheichen und Pîren gliedern sich in drei, beziehungsweise vier Untergruppen, zwischen denen ebenfalls das Endogamiegebot gilt. Zudem ist ein Wechsel zwischen den beiden Priesterkasten nicht möglich.

Ein Pîr bleibt sein Leben lang ein Pîr, gleiches gilt für einen Scheich. Die Geistlichen (Scheichen und Pîren) haben die Aufgabe, die Kaste der Laien in den religiösen Regeln zu unterweisen. Die Laien unterstützen die Geistlichen materiell durch Spenden. Das jesidische Kastenwesen ist nicht hierarchisch gegliedert wie das indische, in dem es auch eine Kaste der Interner Link: «Unberührbaren» gibt.

Zwar fallen allen drei Kasten unterschiedliche Aufgaben und Funktionen zu, sie sind aber gleichberechtigt. Neben der Einhaltung der Kastenvorschriften gibt es fünf Grundpflichten für Jesiden, die für alle drei Kasten gültig sind. Diese umfassen:

die Anerkennung des «einen» Gottes die religiöse Betreuung durch einen Scheich (Priester) die Betreuung durch einen Pîr (Priester) mindestens einmal im Leben eine Pilgerfahrt nach Lalish (Heiligtum der Jesiden im Irak) die Wahl eines Jenseitsbruders (kurdisch: Birayê Achretê) oder einer Jenseitsschwester (kurdisch: Chucha Achretê)

Das Jesidentum ist wesentlich durch Oralität und Orthopraxie geprägt: Bei der Orthopraxie geht es um die rechte Lebensführung, wozu etwa die Teilnahme an religiösen Feierlichkeiten oder die Einhaltung der Verbote und Gebote zählen. Sie ist das Gegenstück zur Orthodoxie.

Aufgrund der jahrhundertelang praktizierten mündlichen Weitergabe religiöser Lehren hat sich keine Orthodoxie im Sinne einer formal-religiösen Dogmatik entwickelt. Bevölkerung und Geographie Weltweit gibt es etwa eine Million Jesiden. Ihre ursprünglichen Heimatländer im Nahen Osten sind allen voran der Interner Link: Irak, die Externer Link: Türkei, Interner Link: Syrien und der Externer Link: Iran,

Die überwältigende Mehrheit der Jesiden spricht das Kurdische «Kurmancî». Das Hauptsiedlungsgebiet der Jesiden befindet sich in der nordirakischen Provinz Ninive, vor allem in den beiden Distrikten Sindschar («Sinjar») und Sheikhan. Hier lebten vor dem Sindschar-Genozid 2014 schätzungsweise zwischen 600.000 und 700.000 Jesiden.

  • Rund 500.000 Jesiden waren es noch bis zum Beginn des am 03.08.2014 einsetzenden Völkermords in der Region Sindschar.
  • Die weltweit größte Diasporagemeinde der Jesiden mit rund 150.000 Menschen ist in Deutschland beheimatet, viele bereits in dritter und vierter Generation.
  • Mehrheitlich leben sie in den Bundesländern Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen sowie Bremen, Hamburg und Berlin.

Jesiden – eine ethno-religiöse Volksgruppe? Jeside wird man nur, wenn man als Kind einer jesidischen Mutter und eines jesidischen Vaters zur Welt kommt. In der wissenschaftlichen Literatur werden die Jesiden aufgrund ihrer Sprache und Kultur überwiegend den Kurden zugeordnet.

Die Mehrheit der Jesiden definiert sich ebenfalls ethnisch als Kurden. Ein Teil der Jesiden aus Armenien, Georgien und Russland, aber auch aus Sindschar, betrachtet sich dagegen als eigene, unabhängige ethnische Volksgruppe. Diese Gruppe geht sogar so weit, dass sie jegliche ethnische Verbindung zu den Kurden und zum Kurdentum negiert.

Dies führte auch dazu, dass die Jesiden in Armenien, Georgien und Russland von staatlicher Seite aus heute als eigenständige Volksgruppe betrachtet werden. Kurden und Jesiden werden deshalb von den jeweiligen Regierungen dieser Länder als einzelne, eigenständige Ethnien registriert.

Dabei ist in der jesidischen Gemeinschaft die Meinung breit vertreten, dass die Ursprungsreligion der weltweit rund 30 bis 40 Millionen Kurden, die heute mehrheitlich dem sunnitischen Islam angehören, einst das Jesidentum gewesen sei. Sindschar – das Hauptsiedlungsgebiet der Jesiden Vor dem Einmarsch des sogenannten Interner Link: Islamischen Staates (IS) am 03.08.2014 war Sindschar mit circa 500.000 Menschen das weltweit größte homogene jesidische Siedlungsgebiet.

Sindschar gilt bei den Jesiden als das Symbol der einstigen Macht der jesidischen Gemeinschaft und als Ort wichtiger jesidischer Heiligtümer. Besonders dramatisch ist die Vertreibung der Jesiden deshalb, weil ihr kulturell-religiöses Erbe für immer zu verloren gehen droht.

  1. Soweit die Geschichte der Jesiden sowie die ihrer Religion durch historische Quellen erschlossen werden kann, ist sie eine Geschichte von systematischen Vernichtungsfeldzügen und Vertreibung sowie von religiöser, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entrechtung.
  2. Gebrandmarkt als «Häretiker» und «Anbeter des Bösen», als «Ungläubige» und «Gottlose» erlitt die Religionsgemeinschaft eine Vielzahl von Massakern und Genoziden, durch welche die zahlenmäßig einst sehr starke Gemeinschaft im Laufe der Jahrhunderte immer weiter dezimiert wurde.

Insbesondere in der Zeit des Interner Link: Osmanischen Reiches (1299 bis 1922) wurden die Jesiden vielfach und systematisch in Sindschar verfolgt. Dies führte im Laufe der jesidischen Geschichte immer wieder zu Fluchtbewegungen. Eine größere Migration erfolgte nach dem Sturz Saddam Husseins im Irak im Jahr 2003 und dem Beginn des syrischen Bürgerkriegs im Jahr 2011, wodurch es zu einer Destabilisierung der gesamten Region kam und das Erstarken terroristischer Gruppen wie der des IS begünstigt wurde.

Die Verbrechen der IS-Terrorgruppe in den vergangenen Jahren haben zu einer erneuten Fluchtbewegung der im Nordirak beheimateten Minderheiten, allen voran der Jesiden sowie der Christen, geführt. Dies unterstreicht einmal mehr, dass die lange Verfolgungsgeschichte der Jesiden auch im 21. Jahrhundert nicht beendet ist, die sich nachhaltig auf die jesidische Identität, die religiösen Praktiken und auch das religiöse Selbstverständnis der Gemeinschaft auswirkt.

Die Menschenrechtsaktivistinnen Nadia Murad und Lamiya Aji Bashar haben den Genozid an den Jesiden überlebt. Sie setzen sich seit ihrer Flucht für jene ein, die noch immer in der Gewalt des IS sind.2016 wurden sie für ihr Engagement mit dem Sacharow-Preis ausgezeichnet.

© picture alliance / dpa) Völkermord durch den sogenannten Islamischen Staat Nach der Vertreibung der Christen aus Mossul im Juni 2014 begann der IS am 03.08.2014 mit der Vernichtung und Verfolgung der Jesiden in Sindschar. Die Jesiden bezeichnen den Sindschar-Völkermord als den 73. Genozid in ihrer bisherigen Geschichte.

Die Kette der Gräueltaten des IS ist lang: tausende Tote und Schwerverletzte, Entführungen, Massenerschießungen, zerstörte Dörfer und Heiligtümer, hunderttausende Geflüchtete ohne Versorgung und eine traumatisierte Gesellschaft. Aus Angst vor den Verbrechen des IS waren zehntausende Jesiden in das Sindschar-Gebirge geflüchtet.

  • Auf der Flucht sind hunderte Kinder verdurstet und verhungert.
  • Tausende jesidische Frauen und Mädchen wurden von IS-Terroristen verschleppt, vergewaltigt und versklavt.
  • Über 3.000 Jesiden befinden sich noch immer in IS-Gefangenschaft, allen voran Frauen und Kinder.
  • Nach einer Studie der UN aus dem Jahr 2017 wurden mehr als 3.000 Menschen getötet und weit über 6.000 entführt.
See also:  Woher Kommt Zu Viel Kalium Im Blut?

In wissenschaftlichen Studien konnte empirisch nachgewiesen werden, dass der Genozid einen vielfältigen Einfluss auf die jesidische Identität, auf das Sicherheitserleben sowie die körperliche und psychische Befindlichkeit ausübt. In einer aktuellen Studie wurden über 500 Jesiden in Deutschland befragt, in wie weit der Sindschar Genozid einen Einfluss auf ihre jesidische Identität aber auch auf ihr psychisches Befinden hat.

Demnach beschäftigen sich Jesiden signifikant häufiger mit ihrer eigenen Geschichte, Kultur und Religion als vor dem Genozid. Aber auch die psychische Belastung bezogen auf den Genozid war in den Bereichen Depressivität, Ängstlichkeit und Traumasymptomatik deutlich erhöht. Vor dem Hintergrund der jahrhundertelangen Verfolgungs- und Vertreibungsgeschichte der Jesiden im Nahen Osten können Erinnerungen an vergangene Massaker, Pogrome und Genozide, wie zuletzt der fortwährende Sindschar-Genozid im Kontext des kollektiven Gedächtnisses dazu führen, dass das Vertrauen in den politischen Islam massiv erschüttert wird.

Die Jesiden haben nach der Flucht aus Sindschar aber auch vielfach Unterstützung durch die muslimischen Kurden aus dem Nordirak, der Türkei und aus Syrien erfahren. Das Verhältnis zum Islam und die Beziehungen zur muslimischen Gemeinde als solche bleiben jedoch belastet, da auch Teile der ansässigen sunnitisch-arabischen und sunnitisch-kurdischen Bevölkerung mit dem IS kollaborieren.

Dies stellt ein Problem dar, das sich nicht mit der Vertreibung des IS auflösen wird. Ferner wurden die Jesiden aus dem Sindschar von der kurdischen Regionalregierung im Nordirak im Stich gelassen, weil diese die Peschmerga-Einheiten, die für den Schutz der zivilen Bevölkerung in Sindschar stationiert waren, im Zuge des IS-Überfalls unvermittelt abzog.

Auch weigerten sich die Peschmerga-Einheiten, den Jesiden Waffen zur Selbstverteidigung zu überlassen. Stattdessen kam die kurdische Volksverteidigungseinheit YPG aus Nordsyrien in den Sindschar zum Schutz der Jesiden. Das Verhältnis zwischen den Jesiden und der kurdischen Regionalregierung im Nordirak ist seit dem Beginn des Sindschar-Genozids deutlich zerrüttet.

  1. Aktuelle Situation von Jesiden im Irak Die jesidischen Geflüchteten sind aufgrund der Erlebnisse von Vernichtung und Vertreibung massiv traumatisiert und es mangelt ihnen, auch aufgrund der katastrophalen humanitären Lage in den überfüllten Flüchtlingslagern im Nordirak, an Zukunftsperspektiven.
  2. Aktuell befinden sich noch mehr als 300.000 Jesiden in den Flüchtlingslagern im Nordirak.

Sindschar könnte als Hauptsiedlungsgebiet der Jesiden für immer verloren gehen, weil diese trotz der militärischen Zurückdrängung des IS aus diesem Gebiet keine Garantie für ihre Sicherheit haben, wenn sie zurückkehren. All dies verstärkt den Wunsch vieler Jesiden, nach Europa, in die USA oder nach Kanada auszuwandern.

  • Aktuelle Situation von Jesiden in Syrien Vor dem Ausbruch des Syrienkrieges lebten rund 70.000 Jesiden vorwiegend in Nordsyrien.
  • In der nordsyrischen Stadt Afrin waren mit knapp 30.000 Glaubensanhängern die meisten Jesiden Syriens angesiedelt.
  • Die Jesiden besitzen hier seit Jahrhunderten alte Heiligstätten und lebten bis zum Einmarsch der türkischen Truppen im März 2018 friedlich mit ihren muslimischen, alevitischen und christlichen Nachbarn in der «säkular» geführten Provinz zusammen.

Durch die fortwährende Destabilisierung in vielen Ländern des Nahen Ostens geraten die Minderheiten, allen voran die Jesiden und Christen, immer stärker unter Druck. Wirksamen staatlichen Schutz vor Gewalt und Tod gibt es kaum. Das Erbe der jahrtausendealten Religion und Kultur dieser beiden religiösen Gemeinschaften droht in der Region unwiderruflich verloren zu gehen.

Kurzer Exkurs zu der jesidischen Diaspora in Deutschland In ihren angestammten Heimatländern wurden die Jesiden und die Ausübung ihres Glaubens jahrhundertelang unterdrückt. Sie mussten ihre Religion und Identität verbergen und nicht selten auch verleugnen. Die neue Freiheit in der Diaspora ermöglicht den Jesiden ein Leben in Frieden und Freiheit, und sie ist nunmehr eine aktive, offene Glaubensgemeinschaft, die den Dialog mit anderen nicht mehr scheut, sondern aktiv sucht.

In der Vielfalt der Religionen Deutschlands sind die Jesiden nun herausgefordert, ihren Glauben und somit auch ihre Identität zu erklären und sichtbar zu machen. Die lange Verfolgungs- und Leidensgeschichte beeinflusst das kollektive Traumagedächtnis der Jesiden und die jesidische Identität auch in der Diaspora.

Was für eine Sprache sprechen Kurden?

Wo Kurdisch gesprochen wird Sowohl Arabisch als auch Kurdisch sind Amtssprachen im Irak. In der autonomen Region Kurdistan (Irak) ist Kurdisch sowohl die Umgangssprache als auch die offizielle Sprache von Behörden und Bildungsinstitutionen. Der Irak ist das einzige Land, in dem Kurdisch eine Amtssprache ist.

Welche Kurden Arten gibt es?

Kurdisch gehört zur Sprachfamilie der iranischen Sprachen und damit zu den indioeuropäischen Sprachen. Obwohl seit dem 10. Jahrhundert literarische Werke auf kurdisch verfasst werden, hat sich keine einheitliche Sprache entwickeln können. Kurdisch wird in verschiedenen Dialekten gesprochen.

Der am weitesten verbreitete Dialekt ist Nordkurdisch oder Kurmanci (in Anatolien, im türkisch-iranischen Grenzgebiet, im Kaukasus, in Syrien und im Norden von Irakisch-Kurdistan). Das Mittelkurdisch oder Sorani ist im Südteil von Irakisch-Kurdistan und Mukri – im angrenzenden Iranisch-Kurdistan – vorherrschend.

Zwischen Kurmanci und Sorani gibt es Gemeinsamkeiten, aber die Dialekte haben sich so weit voneinander entfernt, dass die Verständigung schwierig ist. Zu beiden haben sich eigene Alphabete entwickelt. Innerhalb dieser Hauptgruppen existieren weitere Differenzierungen: Kirmanci (Zazaki) wird in bestimmten Regionen Türkisch-Kurdistans gesprochen.

Hauptdialekte Nebendialekte
Nordkurmanci (Kurmanci) Mittelkurmanci (Soranî) Südkurmanci Goranî-Zazakî- Kirmanci (Zazakî)
Mundarten
Bayezîdî Sineyî Feylî Hewraman
Bótánî Silêmanî (Literatursprache) Kermanşanî Zengene
Aşîtî Erdelanî Lekî Kerkûk
Badînanî Kerkûkî Kelhorî Kakeyî
Cezîrî (Literatursprache) Germiyanî Xaneqînî Dersim
Hewlêrî Lorî Xarput
Soranî
Mukrî
Şarbajêrî
Pijderî

Wo ist das Land Kurdistan?

Lage — Das Gebiet der Autonomen Region Kurdistan liegt im Norden des Irak und besteht aus den Gouvernements Sulaimaniyya, Erbil, Dahuk und Halabdscha, Es grenzt an drei Staaten: im Westen an Syrien, im Norden an die Türkei und im Osten an den Iran, Die nördlichste Stadt der Region ist Zaxo, die östlichste ist Halabdscha und die westlichste Dohuk,

Wann dürfen Yeziden sich nicht duschen?

Festtag in der Diaspora Von Aglaia Dane · 21.04.2012 Die Religion der Yeziden ist im Nordirak entstanden. Sie waren und sind dort immer wieder schweren Verfolgungen ausgesetzt. Nicht zuletzt deshalb findet sich in Deutschland eine große und weiter wachsende Gemeinde. Jetzt, im April, ist für die Yeziden eine besondere Zeit, es ist ihr heiliger Monat.

Glaubensgebundene Yeziden halten sich auch an ganz viele Regeln, die am Mittwoch stattfinden. Das geht so weit, dass sie sich am Mittwoch nicht waschen, also keine Schere bedienen, also eigentlich keine Arbeiten tätigen sollen. Aber das ist hier in Deutschland in der Diaspora kaum möglich.»Ilyas Yanc ist Yezide und hat selbstverständlich heute gearbeitet.

Der gebürtige Türke ist Sozialarbeiter in einem interkulturellen Zentrum und lebt seit Mitte der 80er in Oldenburg. «In der Historie der Yeziden gab es viele wichtige Ereignisse, die eine Rolle gespielt haben, warum der Mittwoch eine herausragende Rolle bei den Yeziden hat.

Es ist zum Beispiel so, dass ein Engel an einem Mittwoch erschaffen wurde.»Dieser Engel heißt Tausi Melek — er ist der wichtigste von sieben Engeln, die Gott aus seinem Licht geschaffen haben soll. Die Yeziden glauben, dass Gott Tausi Melek an diesem Tag den Auftrag gegeben hat, die Erde bewohnbar zu machen — für Tiere, Menschen und Pflanzen.

Und im April zeigt die Natur, was Tausi Melek, der oft als Pfau dargestellt wird, den Menschen an Reichtum beschert hat. Normalerweise berät Ilyas Yanc Migranten. Doch heute Abend ist er der Showmaster. Zur Feier des Tages trägt er eine beige Tracht. «Das sind sogenannte Shalwar-Hosen, also Pluderhosen und dazu eine Jacke und eine Weste.»Ilyas Yanc steht auf der Bühne des Gemeindesaales in Oldenburg.

Während sich um ihn herum ein Kinderchor versammelt, um zu proben, testen er und ein paar junge Männer die Musikanlage: Keyboard, Mischpult, Mikrofone — und auch die Saz wird angeschlossen, ein traditionelles Saiteninstrument aus dem Nahen Osten. Dort — genauer gesagt im Nordirak — hat das Yezidentum seine Ursprünge.

Als Begründer gilt ein muslimischer Ordensbruder des 11. Jahrhunderts — Sheikh Adi. Die Grabstätte von Sheikh Adi liegt im irakischen Lalish — der Ort ist für die Yeziden ein Heiligtum. An der Wand hinter der Bühne hängt ein Plakat. Es zeigt eine bergige Landschaft, darin ein Steingebäude mit spitzen Türmen — das ist der Schrein in Lalish.

Auch dort, wo weltweit die meisten Yeziden leben, laufen vermutlich gerade die Vorbereitungen für das große Fest — wie hier in Oldenburg. In der Küche haben die Frauen das Kommando übernommen. Sie hantieren mit Blechen voll mit Börek und süßem Gebäck und füllen Trauben und Mandarinen in Schüsseln, die sie auf zwei große Rollwagen stellen.

Dabei ist auch Behiye Tolan, die Frauenbeauftragte des yezidischen Forums — der Verein, der das Gemeindezentrum in Oldenburg vor mehr als zehn Jahren gegründet hat. Sie zeigt auf kleine Körbe mit bunten Eiern. «Wir haben genauso Eier, wie bei den Christen zu Ostern.

So werden bei uns auch Eier gefärbt und die werden jetzt verteilt auf den Tischen». «Der heutige Festtag hat im Kurdischen viele Namen. Übersetzt heißen sie «vier Sonnen» oder «Neujahr». Die meisten verwenden aber den Begriff: Çarşema sor — also «Roter Mittwoch».Ähnlich wie bei manchen Osterbräuchen geht es auch bei diesem Fest darum, die Schöpfung zu preisen, die Entstehung neuen Lebens.

Und das ist nicht die einzige Parallele zwischen dem Yezidentum und anderen Religionen. Die Yeziden glauben an nur einen Gott. Sie erkennen Jesus und Mohammed als Propheten an. Es gibt eine Art Taufe, die Jungen werden beschnitten. Der Kulturwissenschaftler Andreas Ackermann von der Universität Koblenz beschäftigt sich seit Jahren mit dem religiösen Leben von Yeziden in der Diaspora.

  1. Er bezeichnet das Yezidentum als eine synkretistische Religion.
  2. Wir finden da Elemente des Zoroastrismus, aber auch des Islam — Sheikh Adi war eigentlich ein muslimischer Religionsgelehrter.
  3. Wir finden aber auch Elemente des Frühchristentums.
  4. Und wenn man sich den Kontext Kurdistan betrachtet, dann sieht man, dass Kurdistan schon sehr lange ein Rückzugsgebiet für Minderheitenreligionen ist, die dann durchaus miteinander in Kontakt gekommen sind.»Ein großer Unterschied zu den anderen monotheistischen Religionen: Es gibt keine heilige Schrift.

Zwar sind aus der Zeit von Sheikh Adi einige Texte überliefert- doch sie bilden keine Glaubensgrundlage. Das Yezidentum hat sich jahrhundertelang in erster Linie mündlich transportiert. «Das ist interessanterweise ein Zustand, der sich in der Migration in Deutschland bei den Yeziden ändert.

Die Yeziden sind stark daran interessiert, religiöse Texte zu produzieren.»Zu den neuen Standardwerken der Yeziden in Deutschland gehören die Bücher von Chaukeddin Issa. Der gebürtige Syrer und studierte Geologe lebt seit 1975 in Berlin. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, Geschichte, Gebete und Traditionen der Yeziden aufzuschreiben.

«Wissen Sie, bei den Yeziden handelt es sich ja um eine vom Aussterben bedrohte Minderheit. In der Diaspora, in der Fremde, habe ich früh erkannt, dass unser Volk Bücher in Deutsch und in Kurdisch braucht. Denn die Angst ist groß, dass dieses Volk auch verschwindet oder einfach den Boden verliert.»Auch im Internet gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Information über das Yezidentum — auch auf Deutsch.

Die Gemeinden haben vor einigen Jahren begonnen, sich zu organisieren, an die Öffentlichkeit zu gehen -hierzulande müssen sie keine Verfolgung befürchten.50.000 Yeziden leben zurzeit in Deutschland und die Gemeinden wachsen. Aus Sicht von Kulturwissenschaftler Andreas Ackermann könnte diese Entwicklung das Yezidentum neu beleben — und Deutschland zu einem neuen Zentrum dieser Religion werden.

Das Gemeindezentrum in Oldenburg ist Symbol dieses neuen Selbstbewussteins. Das ist das erste Zentrum, was von Yeziden in Eigenregie gebaut wurde. Vom Architekten bis zum Bauzeichner, Handlanger und die Spenden aus der Gemeinde.»Im Gemeindesaal sind mittlerweile mehrere Hundert Gäste eingetroffen, um den roten Mittwoch zu feiern.

  1. Man begrüßt sich auf kurdisch:»Ida ta piroz be.
  2. Id ist der Feiertag.
  3. Pirozbe ist Glückwunsch.
  4. Also Glückwunsch zum Feiertag.»Oder, ortsüblich, mit einem breit gezogenen «Moin».
  5. Inder toben durch die Tischreihen, die Männer versammeln sich rund um den Tresen, wo es nach frischem Kaffee duftet.
  6. Die jungen Mädchen haben kleine Grüppchen gebildet — ihr Festtagsoutfit: Minirock, High-Heels, roter Lippenstift.

Früher wurde sehr eng gesehen, heutzutage ist es etwas ganz Normales. Die älteren Yeziden der ersten Einwanderergeneration und auch die Flüchtlinge aus dem Irak seien oft noch stark mit den Traditionen verbunden, erzählt Behiye Tolan. Doch die jüngeren, die wollen modern leben, wie ihre Klassenkameraden.

Daraus können Konflikte entstehen, erzählt die Familienbeauftragte des Vereins — zum Beispiel, wenn es um das Gebot geht, nur innerhalb der Religionsgemeinschaft zu heiraten. «Junge Mädchen, sag ich mal, die sich in einen Christen oder einen Muslim verlieben, kommen auch mit diesen Problemen an. Da muss man auch mit den Eltern reden.

Man kann die Kinder nicht festhalten, aber wenn sie diesen Weg gehen wollen, dann muss man ihnen versuchen zu sagen, was das für ihre Eltern bedeutet.»Doch das Yezidentum ist keine frauenfeindliche Religion, betont die 46-Jährige. Dieser Punkt ist ihr wichtig: Denn einige Medien haben aus ihrer Sicht in den vergangenen Jahren ein Zerrbild gezeichnet — als es auch unter Yeziden Ehrenmorde gab.

Diese schrecklichen Einzelfälle haben keine religiösen, sondern kulturelle Wurzeln, darin sind sich der Kulturwissenschaftler Ackermann und die Yezidin Behiye Tolan einig. Ein großer Mann, kurzes blondes Haar, rote Brille, kommt lächelnd auf Behiye Tolan zu. Es ist Ulrich Schleppegrell. An seinem Jacket hat er einen kleinen Anstecker — darauf steht: Diakonie.

Als Sozialarbeiter hat Ulrich Schleppegrell mit der yezidischen Gemeinde eine Zeit lang zusammengearbeitet — in einem Integrationsprojekt. «Das ist die Nachhaltigkeit des Projektes. Und das ist hier auch ein hohes religiöses Fest für diese Gruppe. Von daher ist auch Respekt von meiner Seite aus, an diesem Tag zu kommen.»Behiye Tolan schaut etwas ungeduldig auf ihre Uhr.

  1. Vor einer halben Stunde sollte die Feier offiziell beginnen.
  2. Typisch Migranten» scherzt sie.
  3. Doch der Moderator des heutigen Abends, Ilyas Yanc, betritt schon die Bühne und versucht sich Gehör zu verschaffen.
  4. Jetzt hoffe ich, dass alle Platz nehmen, sonst machen wir Musik.»Verschiedene Mitglieder des Vereins betreten die Bühne, halten Reden und tragen Gebete vor.

Höhepunkt des Abends ist der Auftritt der Kinder. Etwa 15 Jungen und Mädchen, ganz in weiß gekleidet, betreten die Bühne. Es ist ein kurdisches Lied — die Hymne der Yeziden, erklärt Behiye Tolan. Sie feuert die Kinder mit einem traditionellen Freudenschrei an, bei dem sie eine Hand wie einen Trichter an den Mund hält.

Die Feier in Oldenburg dauert bis in den späten Abend. Alte Frauen binden den Feiernden Bändchen um den Arm- in den kurdischen Farben rot, gelb und grün. Die Kinder spielen quer durch den Raum Fangen. Es wird gegessen, getrunken und später auch getanzt. Bei den Yeziden heißt es, der April sei die Braut des Jahres, erklärt Behiye Tolan.

Yezidische Paare dürfen in diesem Monat deshalb nicht heiraten. Der Schöpfung will man schließlich nicht die Show stehlen. Mehr zum Thema : Festtag in der Diaspora

See also:  Woher Kommt Belkeit?

Was feiern Kurden an Weihnachten?

Überlingen: Kurdische Familie feiert eigentlich kein Weihnachten. Wenn ihre christlichen Nachbarn sie einladen, feiern sie gern mit. Sie feiern eigentlich das Weihnachtsfest nicht: Shahnaz Gallo, ihr Ehemann Jihad Youssef und die neunjährige Tochter Shana leben seit knapp drei Jahren in Überlingen.

Am ersten Weihnachtstag des Jahres 2016 kam die kurdische Familie aus Syrien über die Türkei nach Deutschland. In Überlingen haben sie eine neue Heimat gefunden: Shana besucht die Waldorfschule, ihre Eltern haben Freunde gefunden. Zu den Feiertagen haben sich einige dieser Freunde zu einem Kurzbesuch bei der Familie angekündigt.

„In Syrien haben wir zum Fest auch unsere christlichen Nachbarn besucht», erzählt Youssef. Die neunjährige Shana präsentiert am dritten Advent den Adventskranz der Familie. | Bild: Navid Moshgbar „Dann haben wir zusammen gegessen und getrunken.» Die gute Nachbarschaft pflegen sie auch in Deutschland. Und lassen sich auf die hiesigen Gepflogenheiten und Traditionen ein: Als am 8.

  1. Dezember der Nikolaus am Landungsplatz anlegte, waren sie dabei.
  2. Anschließend auch bei der Nikolausandacht im festlich erleuchteten Münster.
  3. Die Neugier darauf war groß.
  4. Die Menschen hatten weiße Gewänder an und überall brannten die Kerzen», sagt Youssef.
  5. Der Respekt für die anderen Menschen zeichnet die Familie aus.

Und die Liebe zur Musik. Wenn Shahnaz Gallo singt, begleitet ihr Mann sie auf der Langhalslaute Tanbour. Shahnaz Gallo ist Sängerin. Ihr Mann Jihad Youssef begleitet sie auf seiner Langhalslaute Tanbour. | Bild: Navid Moshgbar Selbst Shana hat Bühnenerfahrung: Zum Krippenspiel in der Waldorfschule ist sie in die Rolle von Erzengel Gabriel geschlüpft und ihre Eltern mächtig stolz gemacht. „Mein Text war nicht besonders lang, aber aufgeregt war ich trotzdem», sagt sie. Shana übt noch ihren Text für das Krippenspiel in der Waldorfschule. Sie schlüpft in die Rolle des Erzengels Gabriel. | Bild: Navid Moshgbar Mit kleinen Präsenten wurde sie bereits beschenkt. Aber eine klassische Bescherung gibt es nicht. Es sei halt eine christliche Tradition.

„Aber wenn etwas glücklich macht, dann ist das gut», sagt Gallo. Die Stadt findet sie zur Adventszeit besonders schön – mit der Beleuchtung und dem Markt. An den freien Tagen kann es schon etwas langweilig werden, gibt Youssef zu. „Alle Geschäfte haben zu.» Deshalb besuchen sie wiederum ihre Verwandten und kurdischen Freunde – in Stuttgart, Offenburg, Kamen oder Mönchengladbach.

Und zu Silvester sind sie bei ihrem ältesten Sohn Zana in Innsbruck. Rückmeldung an den Autor geben : Überlingen: Kurdische Familie feiert eigentlich kein Weihnachten. Wenn ihre christlichen Nachbarn sie einladen, feiern sie gern mit.

Was essen Kurden zum Frühstück?

Speisen — Gedeckter Tisch mit kurdischen Speisen aus der Sulaimaniyya -Region Das Frühstück besteht meist aus Naan mit Joghurt, verschiedenen Käsesorten oder Tahina mit Dattel — oder Traubensirup, Auch Frühstückseier, gekocht oder als Spiegel — bzw. Rührei, sind beliebt.

Was haben Kurden für eine Religion?

Was ist eigentlich kurdisch? Zu Fragen des ethnischen Bewusstsein in der kurdischen Diaspora — Rosa-Luxemburg-Stiftung Es redet sich schnell daher, wenn man kaum etwas von den Selbstbildern anderer Völker weiß und sich aufgefordert fühlt, aus politischen oder anderen Gründen dennoch Meinungen zu äußern.

Zur kurdischen Frage haben die Medien jahrelang schlechte Vorarbeit geleistet. Magere Sachkenntnisse werden zusätzlich vereinseitig, Mitleid für Giftgasopfer oder Angst vor PKK-Terror emotionalisiert, Information bleibt aus. Ausgesprochen vielschichtig, kompetent und anregend daher der Vortrag von Birgit Ammann, die ihre Gedanken zu kurdischer Identität zu einer Dissertationsschrift fügte (demnächst gedruckt zu erwerben.) Ihre forschende Neugier, das Erlernen der kurdischen Sprachen und Lebensweisen sowie ausgedehnte Reisen in kurdische Siedlungsgebiete waren dabei von unermesslichem Wert.

In Deutschland leben heute, so Amman, weit mehr als eine halbe Million Kurden, rund die Hälfte aller im Verlauf der Jahrzehnte nach Westeuropa geflüchteten oder als Arbeitsmigranten eingewanderten. Laut Auskunft des zuständigen Bundesamtes wäre in Deutschland nahezu jeder dritte der kürzlich registrierten Flüchtling kurdischer Herkunft, allein 50-70 000 irakische Kurden kamen von 1994 und 1996.

Heute identifizierten sich auch türkische Kurden zunehmend ethnisch, ein Vorgang, der früher wegen der drohenden Verfolgung unvorstellbar war. Die kurdische Diaspora, so Amman, sei aber trotz ihrer Brisanz bis heute wissenschaftlich kaum erforscht. Das europäische, auch das deutsche Kurdenbild werde stattdessen durch allianzpolitische Loyalitäten und die Medien vereinseitigt, die staatenübergreifende Zusammengehörigkeit trotz unterschiedlicher Herkunftsländer (Türkei, Syrien, Iran und Irak) kaum oder nur negativ wahrgenommen.

Amman sprach von der Besonderheit kurdischer Ethnizität trotz des fehlenden Nationalstaats, von Kultur, Sprachen, Fahnen, Geschichte, Abstammung, Mythen und Herkunftslegenden. Begriffe hoher Symbolkraft schaffen auch hier Zusammengehörigkeit, so der Traum einer «Heimatregion» Kurdistan, die sich real über vier Staaten erstreckt und seit dem elften Jahrhundert ein Gebiet ohne klare Grenzen ist.

  • Auch die Suche nach einem begründenden antiken Kulturvolk verbinde.
  • In der neueren Geschichte werde das gemeinsame Leid der Verfolgung und Unterdrückung in allen Herkunftsländern zur Basis der Tradierung von Ethnizität für nachfolgende Generationen.
  • Sprache ist stets Identitätskriterium, und so suchten türkische, arabische und persische Wissenschaftler den Nachweis, dass kurdisch Dialekt oder Pidgin ihrer Sprachen sei.

Identitätsbindende Funktion haben auch der Nationalfeiertag Newroz und die Märtyrer, die heimlichen Hauptstädte Diyarbakir, Sulaymania, Mahabad. Amman sprach ausführlich über das Fehlen einer gemeinsamen Religion. Kurden sind meist sunnitische Muslime, linken Kurden in der Diaspora gilt der Islam als reaktionär und dem Kurdentum widersprechend, doch Islamisierungstendenzen machen sich auch hier bemerkbar.

Zunehmend werde nun die yezidische Religion als ursprüngliche Religion aller Kurden betrachtet. Die Yeziden wurden von Muslimen Jahrhunderte lang schwer verfolgt, teilweise ähnlich erging es den Aleviten in der Türkei. Die kurdische Diaspora-Gemeinschaft hat sich eine europaweite Struktur geschaffen. Schon vor der Anwerbung türkischer Arbeitskräfte durch westliche Industrieländer organisierten kurdische Studenten aus der Türkei, Syrien, dem Irak und Iran sich auf ethnischer Basis.1956 wurde in Deutschland die KSSE (Kurdish Students Society in Europe) gegründet.

Aufgrund hoher Bildung und eines souveränen ethnischen und politischen Selbstbewusstseins wurde daraus die Keimzelle für weitere Organisationen, auch wenn ethnische Unterschiede damals kaum thematisiert wurden. Migrierende Kurden kamen meist als Türken nach Europa, aus einem Land, in dem ihre Muttersprache verboten und ihr Selbstbewusstsein weitgehend zerstört war, um die Lebensbedingungen zu verbessern.

  • Als am Beginn der 70er Jahre die Anwerbung von ausländischen Arbeitnehmern europaweit eingestellt wurde, war auch für Kurden legal nur noch der Weg über Familienzusammenführung offen — oder das Asylverfahren.
  • Birgit Ammann sprach auch von der Vernetzung parteipolitisch gebundener Organisationen, von Kulturzentren, Frauengruppen, Kindertagesstätten, Jugendfreizeitstätten, akademischen Zirkeln, Künstlervereinigungen, Verlagen, Medienbetrieben, die kurdische Interessen wahrnehmen und als politische Artikulatoren in Europa fungieren.

Lehre, Forschung, Sprachkurse, Museums- und Ausstellungsarbeit, Filme, Lesungen und Konferenzen sind dabei Mittel zur Artikulation. (Parteigebundene) Fernsehsender, Rundfunkprogramme und das Internet kommen dazu. Diese Öffentlichkeits-, Informations- und Bildungsarbeit verbindet sich teilweise mit der Forderung nach Anerkennung als eigenständige Volksgruppe mit entsprechenden Rechten in den Aufnahmeländern sowie mit der Mobilisierung unpolitischer beziehungsweise assimilierter Kurden.

  1. Zu Konflikten in und mit den europäischen Staaten führt die aktive Unterstützung des politischen Kampfes in den Herkunftsregionen.
  2. In den meisten großen Städten der alten Bundesrepublik und in Berlin gibt es heute eine breite kurdische Infrastruktur, zu der soziale Beratung, Selbsthilfeorganisationen, Männercafés mit Kartenspiel, Geschäfte, Ärzte, Lokale gehören.

Kurdische Konzerte, Feste und Konferenzen sind informell und erfolgreich, die erweiterte Familie hat nach wie vor einen hohen Wert. Die Antwort auf «Was ist kurdisch?» ist demnach vielschichtig und verändert sich. Überlappungen sind die Regel. Kurden können sich zugleich als Muslime, Yezide oder Atheisten, als Deutsche oder Syrer beschreiben, sie müssen nicht in kurdischem Gebiet von kurdischen Eltern stammen und kurdisch als Muttersprache sprechen oder kurdische Politikansätze verfolgen.

  • Auch ihre Ethnizität wird je nach Umgebung und Situation mobilisiert oder verleugnet, immer wieder entstehen Konkurrenzen der einzelnen Identitätskriterien und Loyalitäten untereinander.
  • In der Diskussion wurden zahlreiche kurdische Selbstverständlichkeiten nachgefragt, spielte u.a.
  • Der Vergleich von kurdischer und jüdischer Identität eine Rolle, nicht nur wegen des Diaspora-Begriffs, sondern auch, weil heute in Israel etwa 150 000 bis 200 000 Nachfahren von Kurden aus verschiedenen Herkunftsregionen auch als Juden und Israelis leben.

Das Thema jüdische Identität wird Gegenstand einer Debatte im September sein. : Was ist eigentlich kurdisch? Zu Fragen des ethnischen Bewusstsein in der kurdischen Diaspora — Rosa-Luxemburg-Stiftung

Was ist der Unterschied zwischen Kurdisch und türkisch?

Kurden und Türken: Der kleine Unterschied Seit die Türkei mit dem Einmarsch in den kurdischen Nordirak droht, gehen Türken und Kurden auch hierzulande auf die Straße. Wie erkennt man, wer wer ist? Klare Ansage: Bei diesem Mann gibt es kein Rätselraten über die ethnische Zugehörigkeit.

Neben den kulturellen sind es vor allem die sprachlichen Merkmale, mit denen sich Türken und Kurden deutlich voneinander unterscheiden lassen.Eine kurze Handreichung: Deutsch, Türkisch, Kurdisch Guten Tag, Merhaba, Rojbaz Chef, Patron, Serkar (oder Mu) Radio, Radyo, Radyo Christ, Hýristiyan, file Tag, Gün, roj (oder ro) Ja, Evet, belê Nein, Hayir, na Vater, Baba, bav Mutter, anne, ane Karotte, havuç, gizer Wurm, kurt, kurmik

Wer damit gemeint ist, wird im folgenden Video schnell klar. Sehen kann es jeder, der auf der Internet-Videoplattform als Suchwort «Kurden» eingibt. Das Suchergebnis liefert Clips mit äußerst fragwürdigen Inhalten. Wie jenes, in dem kurdische mit türkischen Popstars verglichen werden.

  • Wir fangen an mit den türkischen Popstars»: Was nun folgt, erinnert an die Rassenkunde die man aus Schulbüchern der Nazizeit kennt: Türkische Stars werden gezeigt, strahlend und schön.
  • Sooo!!! Jetzt kommen wir zu kurdischen Popstars»: Es werden übermäßig stark beharrte Personen gezeigt, Männer mit dicken Schnurrbärten, die schielend dreinblicken und im Vergleich mit den türkischen Kollegen wie minderbemittelte Dorftrottel wirken.

Auch die Politik wird nicht ausgelassen: Der ehemalige PKK-Chef Abdullah Öcalan wird als Bauchtänzerin gezeigt, Kurdistan als «Bokistan» bezeichnet — «Bok» ist das türkische Wort für «Scheiße». Es folgen weitere Minuten voll mit rassistischen Bemerkungen, dumm und einfach nur unglaublich.

  1. Seit Jahrzehnten gibt es den Konflikt zwischen Türken und Kurden, im Internet wird er schon lange mit Fotos, Videos und Texten auch auf Deutsch ausgetragen.
  2. Seit vergangenem Sonntag scheint er aber auch auf Deutschlands Straßen angekommen zu sein.
  3. Bei schweren Krawallen zwischen Türken und Kurden in Berlin wurden am Sonntagabend zahlreiche Polizisten verletzt und etliche Demonstranten festgenommen.

Die Polizeigewerkschaft forderte eine «knallharte rechtsstaatliche Antwort» auf diese Gewaltausbrüche. Türken hätten dabei Jagd auf Kurden gemacht. Nur ein massiver Polizeieinsatz habe «unkontrollierte Ausbrüche an Gewalt unter Einsatz von Waffen» weitgehend verhindern können.

Für die meisten Deutschen dürfte der Unterschied zwischen Türken und Kurden so irrelevant sein wie es der Unterschied zwischen Altbayern und Oberfranken für Türken und Kurden. Wenn aber Polizisten zwischen zwei ethnische Konfliktgruppen einschreiten müssen, wird dieser Unterschied plötzlich sehr wichtig.

Aber woran erkennt man, wer türkischer und wer kurdischer Abstammung ist? Äußerlich unterscheiden sie sich kaum. Alle kulturellen, religiösen und auch ethnischen Unterschiede zu nennen, würde den Rahmen dieser Seite sprengen. Es gibt aber einige Unterschiede, die auch das ethnologisch nicht geschulte Auge erkennen kann.

Wer sich ein klein wenig mit der Region auskennt, kann die Hintergründe manchmal durchaus feststellen. Viele Kurden haben einen dunkleren Teint als Menschen türkischer Herkunft. Dies kann sich aber auch durch den Gang ins Sonnenstudio imitieren lassen und lässt sich deswegen auch nicht so pauschal dahersagen.

Wie gesagt, es ist schwierig und ein vermintes Feld, Menschen nach dem Aussehen zu beurteilen. Ein verlässlicheres Kriterium ist daher die Sprache. Denn das Kurdische ist eine eigenständige indoeuropäische Sprache, und hat mit dem Türkischen wenig gemeinsam.

Es ist eine Sprache, die sich rau und kehlig anhört ohne die zahlreichen Umlaute des Türkischen. Erst 2002 wurde Kurdisch in der Türkei im öffentlichen Leben wieder zugelassen, aber noch immer hört man kaum Kurdisch auf türkischen Straßen. Ist man mit wenig Sprachtalent gesegnet, so kann man sich an die Differenzen in kulturellen Bräuchen halten, die den Unterschied erkennen lassen.

Jedes Jahr am 21. März feiern die Kurden das Neujahrsfest «Newroz». Es ist das Fest des Frühlings, des Neubeginns und des neuen Jahres. Zugleich aber auch Ausdruck des Widerstands gegen Unterdrückung und Verfolgung. Es sind weltweit dieselben Bilder. Tanzende Menschen, mit der kurdischen Flagge winkend.

In welchem Alter heiraten Kurden?

Startseite Politik

Erstellt: 17.01.2011 Aktualisiert: 23.01.2019, 02:44 Uhr Kommentare Teilen Woher Kommen Kurden In der Türkei darf ein Mann offiziell nur eine Frau gleichzeitig zur Ehefrau nehmen. © dpa Die Vielehe ist in der Türkei auf dem Vormarsch, die konservative Regierung duldet den Trend — dabei ist sie gesetzlich seit 1923 verboten. Vor Zivilgerichten sind Zweit- und Drittfrauen praktisch rechtlos.

Immer mehr türkischen Männern reicht eine Ehefrau nicht aus – sie nehmen sich eine zweite oder gar ein dritte und vierte. Die Vielehe ist zwar in der Türkei seit 1923 gesetzlich verboten, aber trotzdem weit verbreitet, wie eine jetzt veröffentlichte Studie zweier Wissenschaftler der angesehenen Hacettepe-Universität in Ankara zeigt.

Die Untersuchung wurde von der Gleichstellungskommission des türkischen Parlaments in Auftrag gegeben. Ilknur Yüksel Kaptanoglu und Banu Ergöcmen vom Institut für Bevölkerungsstudien stellen in ihrer Studie einen zunehmenden Trend zur Polygamie fest. Etwa 186.000 türkische Frauen müssen danach ihren Mann mit einer oder mehreren anderen Frauen teilen.

  • Vor allem in den Ost- und Südostprovinzen des Landes ist die Polygamie verbreitet.
  • Häufig suchen sich türkische Männer eine Zweitfrau, wenn die gesetzlich angetraute Gattin nicht den erwünschten Stammhalter zur Welt bringen kann.29 Prozent der Türken glauben der Studie zufolge, dass ein Sohn die Macht eines Mannes stärke.

In der Nordosttürkei vertreten sogar 56 Prozent diese Ansicht. Der Islam erlaubt einem Mann bis zu vier Ehefrauen, und die Imame in den ländlichen Gebieten segnen Vielehen meist widerspruchslos ab. Vor den Zivilgerichten sind die Zweit- oder Drittfrauen allerdings praktisch rechtlos.

  1. Die islamisch-konservative Regierungspartei dulde den Trend zur Zweitfrau, kritisieren Beobachter.
  2. Von mehreren Abgeordneten weiß man, dass sie mehrere Ehefrauen haben.
  3. Ein prominenter Politiker brüstete sich damit gar öffentlich.
  4. Die Studie der Wissenschaftler beschäftigt sich auch mit dem Heiratsalter: 5,5 Millionen Türkinnen, so die Untersuchung, haben vor dem 18.

Lebensjahr geheiratet – häufig gegen ihren Willen. Frühe Ehen mit fatalen Folgen Im Landesdurchschnitt ist bei immerhin vier von zehn Eheschließungen die Braut jünger als 18. Nach einer anderen Untersuchung, die im vergangenen Jahr von der Frauenrechtsorganisation „Ucan Süpürge» (Fliegender Besen) durchgeführt wurde, sind in den Kurdengebieten der Südosttürkei sogar fast sieben von zehn Bräuten jünger als 18 Jahre.

  • Das gesetzliche Heiratsalter in der Türkei liegt bei 16.
  • In der Praxis werden aber viele Mädchen schon mit 13, 14 oder 15 Jahren verheiratet.
  • Die Untersuchung betont, welche Folgen eine Ehe in so jungem Alter für Frauen hat: sie brechen in aller Regel ihre Schulausbildung ab und verlieren damit alle Chancen, einen Beruf zu ergreifen.

Dazu kommen die Gesundheitsrisiken einer Schwangerschaft in zu jungem Alter. Welche Konsequenzen das Parlament aus den Ergebnissen der Studie ziehen wird, ist noch unklar. „Fliegender Besen» führt bereits seit einem Jahr eine Kampagne, deren Ziel es ist, das gesetzliche Heiratsalter von 16 auf 18 Jahre heraufzusetzen.