Warum Scheiterte Die Weimarer Republik?

Warum Scheiterte Die Weimarer Republik
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Wie kam es zum Scheitern der Weimarer Republik? Vor 100 Jahren, am 6. Februar 1919, trat in Weimar die deutsche Nationalversammlung zusammen. Sie gab dem Deutschen Reich eine moderne demokratische Verfassung.14 Jahre später kam Hitler an die Macht – die Weimarer Republik war gescheitert.

Musste es so kommen, war Hitler unvermeidlich? Es gibt gängige Erklärungen: Die Verfassung war mangelhaft, die Belastung durch den Versailler Vertrag zu groß. Auch die Hyperinflation und die Weltwirtschaftskrise werden oft als Gründe genannt. Im Kern jedoch, heißt es, seien die Deutschen nicht reif gewesen für eine Demokratie.

Aktuelle Forschungsergebnisse Weimar war ein unerhörter Neuanfang, ein Aufbruch, wurde aber immer vom Ende, vom Scheitern her beurteilt. Der Film ist ein emotionales Plädoyer. Er sucht die Auseinandersetzung und verfolgt dabei das Ziel, jene staatsbürgerlichen Werte, von denen heute oft die Rede ist, greifbar und in ihrem historischen Entstehen verstehbar zu machen.

Neue Forschungsergebnisse führen jetzt, nach 100 Jahren, zu einer Neubewertung der Weimarer Epoche. Im Film begründen der ehemalige Verfassungsrichter Udo di Fabio und die Historiker Gerd Krumeich und Wolfram Pyta sowie der Literaturwissenschaftler Helmuth Kiesel ihre neuen Erkenntnisse. Neben der wiederkehrenden wirtschaftlichen Not stand eine ungeheure Gewaltbereitschaft in der politischen Auseinandersetzung, ein verbreitetes Gefühl der Schmach und Demütigung und die – zehn Jahre nach der Niederlage aufbrechende – Verarbeitung des Kriegstraumas.

Der Film von Grimme-Preisträger Andreas Christoph Schmidt zeigt: Nachdenken über Weimar ist immer auch ein Nachdenken über die Demokratie. Wiederholung im rbb Fernsehen: So, 10.02.2019, 22:20 Interview-Angebot Der gerade erneut für den Grimmepreis nominierte Andreas Christoph Schmidt steht für Interviews zur Verfügung.

Wann und warum scheiterte die Weimarer Republik?

Die relative Stabilisierung zwischen 1924 und 1929 wird als ‘Goldene 20er Jahre’ bezeichnet. Seit der Weltwirtschaftskrise 1929 kamen die wirtschaftlichen Probleme erneut auf. Die allgegenwärtige Massenarbeitslosigkeit führte zur endgültigen Ablehnung der Weimarer Republik und ließ radikale Parteien erstarken.

Warum hat die Weimarer Republik nicht funktioniert?

Weimarer Republik – In diesem Gebäude, dem Deutschen Nationaltheater in Weimar, tagte 1919 die Deutsche Nationalversammlung. “Weimarer Republik” nennt man die erste Demokratie in Deutschland. Sie wurde nach dem Ersten Weltkrieg 1919 gegründet. In der Weimarer Republik gab es große wirtschaftliche Probleme und viele politische Streitereien.

  1. Und es gab viele Gruppierungen, einflussreiche Menschen und Parteien, die die Weimarer Republik ablehnten und bekämpften.1933 kam Adolf Hitler an die Macht.
  2. Das war das Ende der Weimarer Republik.
  3. Nach dem Ersten Weltkrieg musste der deutsche Kaiser zurücktreten.
  4. Es entstand die sogenannte Weimarer Republik (1919-1933).

Der Name ist schnell erklärt: In der Stadt Weimar kam 1919 eine Nationalversammlung zusammen und arbeitete eine demokratische Verfassung für das Deutsche Reich (die „Weimarer Reichsverfassung “) aus. Friedrich Ebert, der erste Reichspräsident der Weimarer Republik von 1919-1925.

Mit dieser Verfassung wurde Deutschland ein parlamentarisch -demokratischer Bundesstaat, Im Reichstag in Berlin tagte das von allen Bürgerinnen und Bürgern demokratisch gewählte Parlament. Erstmals hatten 1919 auch die Frauen das Wahlrecht bekommen. Staatsoberhaupt der Weimarer Republik war der vom Volk gewählte Reichspräsident (1919-1925: Friedrich Ebert, ab 1925: Paul von Hindenburg).

Banknoten aus der Zeit der Inflation von 1923 in Deutschland. Die Weimarer Republik hatte von Anfang an mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg gab es riesige wirtschaftliche Probleme. Viele Menschen litten an Hunger und Mangelernährung.1923 kam es zu einer Inflation, Millionen Menschen verarmten.

Ein paar Jahre ging es der Wirtschaft dann besser, aber die Weltwirtschaftskrise von 1929 hat die Situation von neuem verschärft, die Zahl der Arbeitslosen stieg rapide an. Das größte Problem aber war, dass die Weimarer Republik von Beginn an viele Gegner in der Bevölkerung hatte. Starke politische Unruhen bestimmten fast pausenlos das politische und gesellschaftliche Geschehen in Deutschland.

Viele Menschen trauerten der Monarchie nach und hätten gerne den Kaiser zurückgehabt. Radikale Strömungen ( Kommunisten, Nationalsozialisten), die sich gegenseitig bekämpften, gewannen immer mehr an Einfluss. Im Jahre 1933 kam Adolf Hitler an die Macht.

War die Weimarer Republik von Anfang an zum Scheitern verurteilt?

100 Jahre November-Revolution “Wir sind weit von ‘Weimarer Verhältnissen’ entfernt” – Interview Ein Interview von Marc von Lüpke Aktualisiert am 09.11.2018 Lesedauer: 9 Min. Unsere Interview-Regel Unsere Interview-Regel Der Gesprächspartner muss auf jede unserer Fragen antworten. Anschließend bekommt er seine Antworten vorgelegt und kann sie autorisieren. SA-Abteilung in Berlin: Historiker Jörn Leonhard hält das Ende Weimarer Republik 1933 keineswegs im Jahr 1918 begründet. (Quelle: ullstein-bild) Die Revolution vom 9. November 1918 machte Deutschland zur Demokratie. Die 1933 jedoch wieder unterging. Historiker Jörn Leonhard erklärt, warum die Weimarer Republik besser war als ihr Ruf. Erst der Norden, dann der Süden: Fast überall im Deutschen Reich herrschte Anfang November 1918 in den letzten Tagen des Ersten Weltkriegs revolutionäre Stimmung: Dann geschah das bislang Undenkbare in Berlin – die Monarchie stürzte, es entstand die demokratische deutsche Republik, später als die Republik von Weimar bekannt geworden. Als “Demokratie ohne Demokraten” wird sie bislang bezeichnet, teils auch als “Totgeburt” vor allem angesichts ihres Endes in Form der Nazi-Diktatur. Der Historiker Jörn Leonhard plädiert für eine Neubewertung der Weimarer Republik. Und erklärt, welche Leistungen damals vollbracht wurden. Vor allem weist Leonhard aber auch die vielen Verweise auf die “Weimarer Verhältnisse” zurück, die in unserer Gegenwart angeblich herrschen würden. t-online.de: Professor Leonhard, am 9. November 1918 erreichte die Revolution die Hauptstadt Berlin, es entstand die erste deutsche Demokratie. Warum ist die Weimarer Republik heute geradezu verrufen? Jörn Leonhard: Viele Menschen denken bei der Weimarer Republik vor allem an ihr tragisches Ende durch die Etablierung der nationalsozialistischen Diktatur. Was wir aber nicht vergessen dürfen: Tatsächlich stand gerade zu Beginn der Weimarer Republik eine ungeheure Leistung der neuen, zum ersten Mal demokratisch legitimierten Regierenden. Das ist meiner Meinung nach bislang nicht ausreichend gewürdigt worden. Der Weimarer Republik wird also Unrecht getan? Der Weimarer Republik wird in gewisser Weise tatsächlich Unrecht getan. Man muss bedenken: Am 9. November 1918 wurde in Berlin recht überraschend die Republik ausgerufen, zwei Tage später unterzeichnete die deutsche Delegation bereits den Waffenstillstand von Compiegne, womit der Erste Weltkrieg faktisch endete. Die Zukunft Deutschlands war in diesem Moment denkbar unsicher. Die Monarchie war untergegangen, es war aber noch nicht klar, was genau an ihre Stelle treten würde. Es gab noch keine Verfassung, stattdessen ein politisches Vakuum. Was zukünftige Friedensverhandlungen mit den Kriegsgegnern erbringen würden, war ebenso unbekannt, selbst die territoriale Integrität des Nationalstaates von 1871 war unsicher. Die gerade erst installierte Regierung in Form des Rats der Volksbeauftragten mit dem Sozialdemokraten Friedrich Ebert an der Spitze stand vor einer ungeheuren Aufgabe: Sie musste schnellstmöglich Hunderttausende von Soldaten zurück in die Heimat führen und demobilisieren, zugleich unter schwersten Bedingungen die Versorgung der Zivilbevölkerung sicherstellen, während die Blockade der Alliierten bis ins Frühjahr 1919 andauerte. Zugleich erschütterten Aufstände von rechten und linken Extremisten das Land. Bekannt ist vor allem der sogenannte Spartakusaufstand vom Januar 1919. Anhänger der Kommunistischen Partei und der von den Sozialdemokraten abgespaltenen USPD versuchten, die anstehenden Wahlen am 19. Januar zur verfassungsgebenden Nationalversammlung gewaltsam zu verhindern. Stattdessen strebten sie eine Räterepublik nach russischem Vorbild an. Jörn Leonhard, geboren 1967, lehrt Neuere und Neueste Geschichte Westeuropas an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Mit seinem Buch “Die Büchse der Pandora” veröffentlichte er 2014 ein Standardwerk zur Geschichte des Ersten Weltkriegs. Seine kürzlich erschienene Publikation “Der überforderte Frieden” beschreibt und analysiert die Entstehung der globalen Nachkriegsordnung von 1918 bis 1923. Friedrich Ebert ließ den Spartakusaufstand vor allem durch rechte Freikorps niederschlagen. Es gab in der Tat eine Gewaltwelle, die in der Ermordung der kommunistischen Politiker Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg eskalierte. Ebert machte sich seine Entscheidung zur Niederschlagung des Spartakusaufstands allerdings auch keineswegs leicht, und seine Handlungsspielräume waren sehr begrenzt. Ihm war sehr bewusst, dass es in Deutschland keine Mehrheit für eine Oktoberrevolution nach dem Vorbild der russischen Bolschewiki gab. Selbst nicht unter den Arbeiter- und Soldatenräten. In erster Linie wollte Ebert einen noch viel blutigeren Bürgerkrieg verhindern und den evolutionären Kurs der Mehrheitssozialdemokraten von vor 1914 fortsetzen. Zu diesem Zeitpunkt standen die Deutschen zusätzlich noch unter dem Schock der Niederlage. Warum kam die Erkenntnis, den Ersten Weltkrieg verloren zu haben, so spät? Heute wissen wir, dass das Deutsche Reich im November 1918 nicht mehr in der Lage war, den Krieg fortzusetzen. Die meisten Deutschen aber haben das damals ganz anders empfunden. Als die Franzosen in Paris am 11. November 1918 das Kriegsende feierten, erinnerten sich viele noch daran, dass wenige Monate zuvor die Deutschen die Stadt noch mit ihren schweren Geschützen beschossen hatten. Ähnlich war es in Deutschland: Weder die militärische noch die politische Führung hatte die Menschen psychologisch auf die Niederlage vorbereitet, stattdessen verkündete die Propaganda bis in den Spätsommer 1918 Siegesmeldung um Siegesmeldung. Das bereitete auch den Boden für die berüchtigte “Dolchstoßlegende”, also der Vorstellung, dass es eine defätistische Heimat gewesen sei, die den Ausgang des Krieges verantworte und nicht die tapfer kämpfenden Soldaten an der Front. Ebenso wenig waren die Deutschen auf die überaus harten Bedingungen des Waffenstillstands vorbereitet. Die Konditionen waren in der Tat sehr weitgehend und nahmen bereits viele Bedingungen des späteren Versailler Vertrages vorweg. Deutschland musste unter anderem die besetzten Gebiete in Belgien und Nordfrankreich umgehend räumen, dazu auch das Reichsland Elsaß-Lothringen. In Deutschland selbst sollte das linksseitige Rheingebiet hingegen von Truppen der Sieger besetzt werden. Und dies sind nur einige der Bedingungen. Es ist vor allem ein Beleg dafür, wie sehr die Alliierten fürchteten, dass die Deutschen den Kampf noch fortsetzen könnten. Große Hoffnungen richteten die Deutschen dann auf die Pariser Friedenskonferenz, die am 18. Januar 1919 als Vorkonferenz der Alliierten begannen. Die Erwartungen waren in der Tat sehr groß. Zu groß, wie sich bald zeigen sollte. Der Theologe und Publizist Ernst Troeltsch bezeichnete die Phase zwischen dem Waffenstillstand und dem Beginn der Friedensgespräche rückblickend als “Traumland der Waffenstillstandsperiode”. In großen Teilen der deutschen Öffentlichkeit glaubte man, dass angesichts der weitreichenden Zugeständnisse der Deutschen beim Waffenstillstand 1918 und der Etablierung einer demokratisch-parlamentarischen Republik nun deutliche Verbesserungen in den Gesprächen zu erreichen gewesen seien. Was sich als Illusion erwies. Tatsächlich verhandelte niemand mit den Deutschen. Sie mussten stattdessen die sehr harten Bedingungen der Sieger ohne weitere Zugeständnisse akzeptieren. Dazu kam vor allem die Wahrnehmung, durch den Artikel 231 des Friedensvertrags von Versailles die alleinige Schuld für den Ausbruch des Krieges zugewiesen zu bekommen. So wurden die enorm hohen Reparationszahlungen begründet. Diese Verbindung von moralischer Schuld und daraus begründeten finanziellen Schulden sorgte in Deutschland in fast allen politischen Lagern für tiefe Verbitterung und belastete zumal das Verhältnis zu Frankreich, Loading. Loading. Loading. Warum dieser für die Deutschen sowohl harte als auch demütigende Friedensschluss? War den Alliierten nicht bewusst, welche Hypothek der Versailler Vertrag für die junge deutsche Demokratie war? Dafür gibt es mehrere Gründe. In Großbritannien etwa wurde im Dezember 1918 zum ersten Mal seit Kriegsbeginn das Unterhaus neu gewählt. Im Wahlkampf hatten zahlreiche britische Politiker ihrer Bevölkerung versprochen, dass die Deutschen für alle Kosten des Krieges aufkommen müssten. Auch für die Versorgung der vielen Kriegsversehrten, Witwen und Waisen und die Pensionen der Veteranen. Ähnliches hatte die französische Regierung ihrer Bevölkerung bereits während des Krieges zugesagt. Die nach Paris reisenden Delegationen waren so mit den jeweiligen Erwartungen an den Friedensvertrag völlig überfrachtet. Und überfordert. Vor allem waren die Friedensgespräche auch ein Medienereignis. Hunderte Journalisten berichteten aus Paris vom Fortgang der Verhandlungen. London, Rom, Washington, aber auch Tokio, Istanbul, Kairo oder Shanghai : Überall wurden die Menschen über den Stand der Verhandlungen informiert. Nicht zuletzt über enttäuschte Hoffnungen ihrer Delegationen. Das erklärt den politischen Druck in Italien oder China, der wiederum Einfluss nahm auf die Verhandlungsführung in Paris. Letztlich waren sich die alliierten Regierungen aber auch alles andere als einig in der Behandlung Deutschlands. Die Franzosen wollten vor allem eine dauerhafte Schwächung Deutschlands erreichen. Auch durch die militärischen Abrüstungsbestimmungen und die Zerstörung der Einheit des Reichs, etwa durch die Gründung einer Westdeutschen Republik und die Unterstützung von Separatisten. Und nicht zuletzt diente ebenfalls die sehr hohe Reparationslast diesem Zweck. Was wiederum die USA kritisch sahen. Während sich Frankreich und Großbritannien sich in dieser Frage zunächst weitgehend durchsetzten, blieb Deutschland als Staat erhalten. In Deutschland trat hingegen die SPD-geführte Regierung unter Philipp Scheidemann zurück, um den Versailler Vertrag nicht unterzeichnen zu müssen. Tatsächlich existierte keine echte Alternative – was übrigens auch die deutsche Militärführung einräumen musste. Im Falle der Verweigerung bestand die Gefahr eines alliierten Einmarsches, was wiederum die territoriale Integrität des Reiches gefährdet hätte. Letzten Endes unterschrieb man den Vertrag von Versailles in der Hoffnung, ihn in den kommenden Jahren zu revidieren. Im Sommer 1919 mussten die Politiker in Weimar unter einem immensen inneren und äußeren Druck handeln, um die Republik zu retten. Mit viel Geduld und einer klugen Politik erreichten die deutschen Politiker in den nächsten Jahren eine Revision entscheidender Punkte des Versailler Vertrages. Richtig. Langfristig trat nämlich die Erkenntnis ein, die sowohl deutsche als auch ausländische Wirtschaftsexperten, darunter der berühmte John Maynard Keynes, bereits früh entwickelt hatten. Die Sieger konnten auf ein politisch wie wirtschaftlich stabiles Deutschland nicht zuletzt als Absatzmarkt für ihre Waren nicht verzichten. Das war mit der bald nach 1919 angedachten absurden Höhe der Reparationsleistungen unvereinbar. Eine vernetzte Wirtschaft in Europa konnte sich den langfristigen Ausfall Deutschlands auch gar nicht leisten. Anfang der Dreißigerjahre gab es schließlich ein Moratorium der Alliierten, das auf einen weitgehenden Verzicht hinauslief. Die Weimarer Republik wird immer wieder mit einer Totgeburt verglichen. Einerseits verursacht durch die Belastung des Versailler Vertrags, aber auch durch einen “Geburtsfehler” in Form ihrer Verfassung. Die Väter der Weimarer Verfassung versuchten, der jungen Demokratie eine stabile Grundlage zu geben. Aus dem Rückblick und unserem Wissen heute ist es sehr leicht, diese Verfassung dafür zu kritisieren, dass sie etwa dem Reichspräsidenten zu viel Macht einräumte. Aber die Politiker standen auch in der Kontinuität zum Kaiserreich, und sie setzten dennoch viele wegweisende und fortschrittliche Elemente in der Weimarer Verfassung durch: Sie etablierte die parlamentarische Demokratie, enthielt einen Grundrechtekatalog, sie garantierte ein allgemeines und gleiches Wahlrecht. Das sich übrigens erstmalig auch auf die Frauen erstreckte. In der Weimarer Republik galten Gewerkschaften als gleichberechtigte Partner, es kam zum Abschluss eines Betriebsverfassungsgesetzes. All das sind enorme Leistungen. Aber trotzdem scheiterte die Weimarer Republik im Jahr 1933. Warum? Die Weimarer Republik war nicht zum Scheitern verurteilt. Jedenfalls nicht von ihrem Anfang her.1918 bedeutete bei allen Belastungen nicht das vorprogrammierte Ende von 1933. Hitler war keineswegs eine zwangsläufige Konsequenz der Entwicklung von 1918/19. Auch der Versailler Vertrag war sicher nicht der entscheidende Faktor, sonst hätte die Weimarer Republik nicht das Krisenjahr 1923 mit Ruhrbesetzung, Hyperinflation und Hitler-Putsch überlebt. Meiner Meinung nach durchlebte Europa um 1930 vielmehr eine allgemeine Krise der liberalen Demokratie und des Kapitalismus, ausgelöst durch die Weltwirtschaftskrise. In Deutschland kam es zu einer scharfen Politisierung und Militarisierung des öffentlichen Raums zwischen Rechts und Links, während die politische Mitte erodierte. Weite Teile der Gesellschaft militarisierten sich, es kam zu einer Entgrenzung der Gewalt auf den Straßen. Für die unmittelbare Ernennung Hitlers zum Reichskanzler tragen allerdings politische und militärische Eliten die Verantwortung. Das ist ein weiterer wichtiger Faktor. Ein großer Teil der politischen, militärischen und wirtschaftlichen Elite wendete sich ab etwa 1927 vom Parlamentarismus ab und verfolgte einen zunehmend antiparlamentarischen, autokratischen Kurs, der in der Regierungsübernahme Hitlers endete. Heute wird angesichts der Erfolge der AfD und rechtsextremer Übergriffe immer wieder vor “Weimarer Verhältnissen” gewarnt. Was ist ihre Einschätzung? Wer heute vor “Weimarer Verhältnissen” warnt, dem ist Aufmerksamkeit gewiss. Tatsächlich sind wir aber bei allen Veränderungen weit von “Weimarer Verhältnissen” entfernt: Es gibt in Berlin keine offenen Straßenschlachten zwischen Teilen der extremen Rechten und extremen Linken, wir haben keine Massenverelendung großer Teile der Gesellschaft. Genauso wenig ist der Mittelstand durch Hyperinflation und Wirtschaftskrise ruiniert, dazu hat Deutschland keine schwerwiegenden territorialen Konflikte mit seinen Nachbarstaaten. Tatsächlich scheint sich doch in Deutschland derzeit aber doch etwas zu verändern. Das stimmt. Denn Deutschland verlässt zurzeit seine Komfortzone, die seit mehr als 70 Jahren für relative Ruhe und Stabilität sorgte. Genauso ließe sich argumentieren, dass Deutschland zurzeit einen Prozess der Normalisierung durchläuft: In praktisch allen anderen europäischen Ländern haben sich in den letzten Jahren mehr oder weniger starke rechte und rechtspopulistische Parteien entwickelt. Das bedeutet: In Zukunft wird der politische Konflikt mit deutlich härteren Bandagen ausgetragen werden, was sich an der zunehmend aggressiven politischen Debatte zeigt – man denke nur an das “Vogelschiss”-Zitat von Alexander Gauland, Die deutsche Demokratie muss sich nun also unter verschärften Bedingungen bewähren? Genau. Wir alle müssen verstehen, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist – das kann man im Blick auf die Phase nach 1918/19 besonders anschaulich studieren. Aber dass es ruppiger und ungemütlicher wird, bedeutet nicht automatisch eine Krise der Demokratie, ein Versagen demokratischer Institutionen, gar eine Staatskrise. Und Demokratien sind lernfähig und widerstandsfähig – das sieht man 1933 mit Franklin D. Roosevelts “New Deal” als am Ende erfolgreicher Antwort auf die Krise der Demokratie genauso wie am Funktionieren der Gewaltenteilung in den USA derzeit. Was können wir aus der Geschichte der Weimarer Republik lernen? Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich manchmal, wie Mark Twain einmal bemerkte. Wir können die Entscheidung, wie wir uns heute politisch verhalten, auch nicht an die Geschichte delegieren. Aber wir brauchen Analogien, um zu erkennen, worin sich Vergangenheit und Gegenwart unterscheiden. Beim Blick auf die Geschichte wird man bei vielen heutigen Entwicklungen wesentlich nüchterner, weniger alarmistisch urteilen. Und das ist genau das, was uns augenblicklich Not tut: Nicht mit unzulässigen Analogien eine Existenzkrise der Demokratie herbeireden, die es trotz aller Belastungen und Konflikte so noch nicht gibt. Professor Leonhard, vielen Dank für das Gespräch. Loading. Loading. Loading. Loading. Loading. Loading. Loading. Loading. Loading. Loading. Loading. Loading. NS-Verbindungen und Zwangsarbeit

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Wer war gegen die Weimarer Republik?

Gegner der Republik – Zu den entschiedenen Gegnern der Republik gehörte die Deutsch-Nationale Volkspartei (DNVP). Als Repräsentantin des konservativ-monarchistischen Lagers bekämpfte sie das demokratische System von Beginn an. Das Gleiche galt für die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD).

Was waren die Schwächen der Weimarer Republik?

Schwächen der Weimarer Verfassung Die Weimarer Republik währte nur kurz, maßgeblich dafür verantwortlich waren nicht nur die, sondern auch deutliche Schwächen in der Weimarer Verfassung, die nachfolgend ausführlich beleuchtet werden. Eingegangen wird dabei auf die drei Hauptschwächen der Weimarer Verfassung: die übermächtige Stellung des Reichspräsidenten, das Fehlen der Fünfprozentklausel und die Reichswehr als vierte Macht im Staat.

Wie war das Ende der Weimarer Republik?

Krise und Ende der Weimarer Republik – Die rauschenden Partys endeten mit der im Oktober 1929 beginnenden Weltwirtschaftskrise, Anfang 1931 waren in Deutschland bereits fünf Millionen Menschen als arbeitslos registriert. Das soziale System der Weimarer Republik war den Folgen der Wirtschaftskrise nicht gewachsen.

Verelendung, Resignation und eine allgemeine Katastrophenstimmung prägten das Alltagsleben von breiten Bevölkerungsschichten. Die ausgedehnte Unzufriedenheit der Massen entlud sich bei den Reichstagswahlen: Am 31. Juli 1932 entfielen über 37 Prozent aller Stimmen auf die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP), die den Sturz des parlamentarischen Systems offen anstrebte.

Die ebenfalls demokratiefeindliche Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) kam auf über 14 Prozent. Auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise hatten die Wähler den “bürgerlichen” Parteien und der parlamentarischen Demokratie eine klare Absage erteilt. Die demokratischen Stimmen der Vernunft gingen 1932 im Getöse der “Rot-Front”- und “Sieg-Heil”-Rufe zunehmend unter.

Mit riesigen Protestmärschen demonstrierten die Nationalsozialisten ebenso entschlossen gegen die Republik wie die Kommunisten. Immer häufiger lieferten sie sich Saal- und Straßenschlachten, die eigene Stärke demonstrieren und den Willen zur Übernahme der politischen Macht festigen sollten. Den “Heilsversprechungen” der extremen Parteien von einem “Dritten Reich” und einem “Sowjet-Deutschland” konnte die demokratische Mitte nichts mehr entgegensetzen: Vor dem Hintergrund des Wirtschaftsverfalls und des Anstiegs der Arbeitslosenzahl verloren die gemäßigten Parteien zunehmend an Einfluss.

Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler war das Ende der Weimarer Republik am 30. Januar 1933 besiegelt. To view this video please enable JavaScript, and consider upgrading to a web browser that supports HTML5 video Video: Vom Wesen und Wert der Demokratie © Stiftung Deutsches Historisches Museum Arnulf Scriba © Deutsches Historisches Museum, Berlin 6.

Wer ruft die Weimarer Republik aus?

Ausrufung der Republik 9. November 1918 Philipp Scheidemann, September / Oktober 1918 BArch, Bild 146-1970-051-17 / Alfres Grohs Ausgelöst durch den Aufstand der Matrosen in Kiel breitete sich die revolutionäre Bewegung aus und erreichte am 9. November 1918 die Reichshauptstadt Berlin.

Dort verkündete am Mittag der Reichskanzler Max von Baden unautorisiert die Abdankung des Kaisers. Gleichzeitig übertrug er das Amt des Reichskanzlers an Friedrich Ebert, den Führer der Mehrheits­sozialdemokraten. Ebert versprach, eine Nationalversammlung wählen zu lassen, die über die künftige Verfassung des Reiches und über die Staatsform (Monarchie oder Republik) entscheiden sollte.

Doch die Ereignisse entwickelten sich schneller als von Ebert und Max von Baden geplant. Am Nachmittag rief Philipp Scheidemann von einem Fenster des Reichstages vor der dort wartenden Menschenmenge die Republik aus. Am Abend proklamierte dann Karl Liebknecht von einem Balkon des Schlosses die „Freie Sozialistische Republik Deutschlands”.

Was ist die Weimarer Republik einfach erklärt?

Weimarer Republik einfach erklärt Die Weimarer Republik war die erste Demokratie in Deutschland. Das heißt, das Volk durfte jetzt in der Politik mitbestimmen. Die Republik wurde am 9. November 1918 direkt nach dem ersten Weltkrieg gegründet.

Wie hätte die Weimarer Republik gerettet werden können?

Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold: »Die Weimarer Republik hätte gerettet werden können« Mit Millionen Mitgliedern wollte das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold die Weimarer Demokratie gegen ihre radikalen Feinde schützen. Warum das am Ende fehlschlug, erklärt der Forscher Sebastian Elsbach hier. Ein Interview von Das Reichbanner Schwarz-Rot-Gold zeigte Flagge für die Weimarer Demokratie Foto: Rolf Vennenbernd / picture-alliance/ dpa SPIEGEL: Den meisten Deutschen ist das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold kein Begriff mehr. Welcher Aufgaben nahm sich der Verband an? Elsbach: Die Gründung in Magdeburg am 22.

  1. Februar 1924 war ein einschneidendes Ereignis in der Weimarer Republik.
  2. Zuvor waren Politiker (Zentrum) (DDP) ermordet worden, zu wurden Tausende Menschen, die nicht in das völkische Weltbild der Täter passten.
  3. Die Sicherheitsbehörden bekämpften sehr effektiv die kommunistische Bedrohung – aber kaum den Rechtsterrorismus.

Aus ideologischen Gründen deckten Teile des Polizei- und Justizapparats, Zur Person Sebastian Elsbach arbeitet an der Forschungsstelle Weimarer Republik in Jena zum demokratischen Gewaltmonopol in der Weimarer Republik.2019 veröffentlichte der Historiker und Politikwissenschaftler seine mehrfach ausgezeichnete Dissertation zum Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold.

SPIEGEL: Gegen diese Bedrohung wollte das Reichsbanner sich wehren? Elsbach: Das setzten die Gründer um Otto Hörsing (SPD) sich selbst zur Aufgabe, bauten Saalschutzverbände auf und wurden ihrem Anspruch mindestens für den Rest der Zwanzigerjahre gerecht. Es gelang, weil nicht nur, sondern prinzipiell alle Unterstützer der Republik zur Mitarbeit aufgerufen wurden.

Frauen waren aber von der Mitgliedschaft ausgeschlossen, wie es dem damaligen Rollenverständnis entsprach. SPIEGEL: Das Reichsbanner war eine Massenorganisation, mit mindestens 1,5 Millionen belegbaren Mitgliedern deutlich größer als, Elsbach:,und dennoch wurde seine Bedeutung lange unterschätzt.

Dem Verband kam eine zentrale Rolle beim Schutz der Weimarer Zivilgesellschaft zu. Ohne das Reichsbanner wäre der Aufstieg rechtsradikaler Parteien wohl schon Mitte der 1920er-Jahre nicht zu stoppen gewesen, und das hätte die erste deutsche Republik kaum überlebt. SPIEGEL: Mit den Farben Schwarz-Rot-Gold bekannte sich das Reichsbanner zur Revolution von 1848.

Wie verbreitet war diese Traditionslinie in der ? Fahnenweihe des Reichsbanners in Potsdam Oktober 1924 Foto: ullstein bild Elsbach: Um eine breite Koalition zum Schutz der Republik auf die Beine zu stellen, musste das Reichsbanner ein auch außerhalb des SPD-Milieus anschlussfähiges Symbol und Geschichtsbild finden.

  • Die Farben Schwarz-Rot-Gold nebst der Erinnerung an die demokratisch-bürgerliche lösten besonders bei den Linksliberalen der DDP warme Gefühle aus, aber auch bei den katholischen Christdemokraten der Zentrumspartei.
  • So hielt (Zentrum) auf Reichsbanner-Veranstaltungen mitreißende Reden.
  • Solche prodemokratischen Feste, Demonstrationen und Gedenktage gab es überall in Deutschland, über die Jahre mit Millionen Teilnehmern.

SPIEGEL: Stimmt also das verbreitete Bild der »Republik ohne Republikaner« nicht, dass nämlich die Weimarer Demokratie auch maßgeblich an einem Mangel an Befürwortern scheiterte? »Rechtsautoritäre Politiker wollten die parlamentarische Demokratie beseitigen und schafften es schon 1930.« Elsbach: Die Weimarer Republik war ein vielversprechendes demokratisches Experiment, das rechtsautoritäre Politiker wie Hindenburg, Papen und Brüning bewusst zerstörten.

  1. Sie wollten die parlamentarische Demokratie beseitigen und, wobei sie ihr Handeln erfolgreich mit pseudolegalen Argumenten decken konnten.
  2. Dies konnte das Reichsbanner als größte politische Massenorganisation nicht verhindern.
  3. Es hatte durchaus großen Rückhalt – aber eben nur im republikanisch gesinnten Teil der Bevölkerung.

Und nur wenig Einfluss auf die Hinterzimmerpolitik der Parteien. Elsbach: Ohne Unterstützung des adelskritischen Reichsbanners hätten sich kaum 14,5 Millionen Jastimmen zusammentrommeln lassen, auch wenn das nicht für einen Abstimmungserfolg reichte. Die Kommunisten etwa hatten nur einen Bruchteil der Ressourcen.

  • Zudem trug das Reichsbanner massiv zur öffentlichen Sichtbarkeit von Schwarz-Rot-Gold als Gegensatz zu den alten Reichsfarben Schwarz-Weiß-Rot bei.
  • Die neuen Reichsfarben waren ja ein Hassobjekt der Rechten – und auch der Kommunisten.
  • Indem das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold bei Veranstaltungen untrennbar mit Demokratie, Frieden und Bekämpfung des Antisemitismus verknüpfte, wurde gewissermaßen auch das symbolische Kapital der Republik vergrößert und der Grundstein dafür gelegt, dass nach 1945 das nicht mehr nazistische Deutschland wieder,

SPIEGEL: Um zivile Ziele zu erreichen, setzte das Reichsbanner auch auf gewalttätige Mittel. War das in diesem politischen Klima legitim? »Politische Gewalt bedeutet die größte Bedrohung für Demokratien.« Elsbach: In der Weimarer Republik gab es ein spezifisches Zeitphänomen, eine Konstellation, die sehr gefährlich ist für das Überleben einer jeden Demokratie: Heute ist unvorstellbar, dass alle großen Parteien über eigene uniformierte Verbände verfügen, die anstelle der Polizei den Schutz von politischen Versammlungen übernehmen.

Das Reichsbanner musste sich dieser Situation anpassen und versuchte, durch die eigene Größe eine abschreckende Wirkung zu erzielen, sodass es gar nicht erst zu Gewalt oder gar Toten kam. Diese defensive Strategie, wonach Gewalt nur in Notwehr eingesetzt werden durfte, funktionierte gegen den Stahlhelm oder die Kommunisten sehr gut.

Das änderte sich allerdings mit dem Aufstieg der SA, da die NS-Schergen ohne jegliche Rücksicht auf menschliches Leben vorgingen. Hier hätte der Staat eingreifen müssen und auch können – aber das war politisch nicht gewollt. Reichsbanner-Kundgebung Berlin 1932 Foto: akg-images / picture-alliance SPIEGEL: Mit dem scheiterte das Reichsbanner letztlich und leistete 1933 keinen nennenswerten Widerstand. Warum? Elsbach: Die sogenannten Wehrverbände der Weimarer Zeit waren keine »Privatarmeen« im technischen Sinne – sie waren privat, jedoch keine Armeen.

  1. Gegen die hochgerüsteten Polizeikräfte oder die Reichswehr konnten sie nichts ausrichten, weil es ihnen zwar nicht an Männern mangelte, aber an Ausrüstung, Waffen und innerem Zusammenhalt.
  2. Einer der Wehrverbände – auch nicht das Reichsbanner als größter Verband – hatte daher die Macht, sich einer entschlossenen staatlichen Verfolgung zu widersetzen.

SPIEGEL: In Ihrer Doktorarbeit schreiben Sie auch, dass die Weimarer Republik weniger an ihrer Schwäche als an der Stärke ihrer Gegner scheiterte. Dagegen habe es in der oft als wehrhaft gelobten BRD nie Umsturzversuche ähnlicher Größenordnung gegeben.

Lässt sich die damalige überhaupt mit der heutigen Republik vergleichen? Elsbach: Als Politikwissenschaftler bin ich sehr für Vergleiche – sofern sie wohl informiert und ausgewogen sind. Die Bundesrepublik ist eine wehrhafte Demokratie, hat aber bislang keine Aufstände oder Putschversuche erlebt, insofern ist ein Weimar-Vergleich unpassend.

Politische Gewalt war und ist jedoch immer ein Problem. Sie bedeutet, das lehrt die Weimarer Republik, die größte Bedrohung für demokratisch konstituierte Gesellschaften, da sie zu einer vollständigen Lähmung des politischen Prozesses führen kann. Eine solche Entwicklung ist in den USA zu beobachten, wo große Teile der Gesellschaft einer extremistischen Ideologie anhängen und es im Januar 2021 sogar zu einem – wenn auch schlecht vorbereiteten – Putschversuch kam: zum,

  1. Trump hat es bei seinen Anhängern geschafft, den Einsatz politischer Gewalt zu enttabuisieren, und das wird langfristige, negative Konsequenzen haben.
  2. SPIEGEL: Was ist die historische Lektion aus den Weimarer Erfahrungen? Elsbach: Politische Gewalt, egal von welcher Seite sie kommt, muss entschlossen bekämpft werden, damit die Demokratie daran nicht zerbricht.

Das Reichsbanner wollte nicht nur selbst einschreiten, sondern immer auch darauf drängen, dass der Staat aktiv wird und die Zusammenarbeit mit der demokratischen Zivilgesellschaft sucht. Die Weimarer Republik hätte gerettet werden können, und auch heutige bedrohte Demokratien können gerettet werden.

Wo wurde die Weimarer Republik ausgerufen?

Donnerstag, 9. November Ausrufung der Republik in Deutschland, 1918 – Am 9. November 1918 verzichtete der Deutsche Kaiser auf den Thron und in Berlin wurde die „Deutsche Republik ” ausgerufen. Damit endete nach fast 50 Jahren die Monarchie als Staatsform in Deutschland,

Eine neue Zeit war angebrochen. Seit 1914 tobte in Europa der Erste Weltkrieg, den Deutschland begonnen hatte. Millionen Menschen starben. Im September 1918 war der deutschen militärischen Führung klar, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen war. Sie wollten einen Waffenstillstand erzielen, doch die Gegner forderten zuvor den Rücktritt des Kaisers.

Soldaten kämpfen 1916 in Verdun (Frankreich). Diese Schlacht war besonders lang, die Zahl der Soldaten, die getötet wurden, war sehr hoch. Die Menschen in Deutschland hungerten, sie sehnten sich nach Frieden, Im Oktober 1918 kam es zu großen Unruhen im Land.

  1. Unzufriedene Arbeiter und revoltierende Matrosen schlossen sich zusammen und übernahmen in mehreren deutschen Städten die Macht.
  2. Die Monarchie begann zu zerbrechen.
  3. Streikende Arbeiter füllen am 9.
  4. November 1918 die Straßen von Berlin.
  5. Heute vor 105 Jahren, am 9.
  6. November 1918, gab Reichskanzler Prinz Max von Baden eigenmächtig bekannt, dass der Kaiser auf seinen Thron verzichtete.

Kurz darauf wurde der SPD- Politiker Friedrich Ebert zum neuen Reichskanzler ernannt. Allerdings war diese Verkündung weder mit dem Kaiser abgesprochen, noch hatte Reichskanzler Prinz Max von Baden die Befugnis dazu. Die Politiker in Berlin ließen sich aber nicht davon abhalten, dieser Richtung zu folgen.

Der SPD-Politiker Philipp Scheidemann ging gegen 14 Uhr an das Fenster des Berliner Reichstages und rief die Republik aus. Damit wollte er die wütenden Demonstranten beruhigen und das Kaiserreich beenden. Der Weg für eine deutsche Demokratie war frei. Drei Tage später, am 11. November 1918, vereinbarten die Siegermächte einen Waffenstillstand mit Deutschland.

Die Siegermächte waren Frankreich, das Vereinigte Königreich Großbritannien und Irland, die Vereinigten Staaten von Amerika und das Königreich Italien, Am 28. November 1918 dankte Kaiser Wilhelm II. offiziell ab und ging in die Niederlande ins Exil,

Was besagt der Artikel 48 der Weimarer Verfassung?

Anwendung im „Dritten Reich” – Auch während der NS-Herrschaft wurde Art.48 Abs.2 angewandt. Er spielte vor allem in den ersten Wochen nach der Ernennung Hitlers eine wichtige Rolle; später verlor er aufgrund des Ermächtigungsgesetzes an Bedeutung. Die folgenreichste Notverordnung war die sogenannte Reichstagsbrandverordnung vom 28.

  1. Februar 1933.
  2. Auf der Grundlage des Art.48 Abs.2 („Maßnahmen bei Störung von Sicherheit und Ordnung”) setzte sie wesentliche Grundrechte außer Kraft und übertrug Befugnisse des Reichspräsidenten auf die neue Reichsregierung unter Hitler.
  3. Die Notverordnung wurde damit zur normativen Grundlage der nationalsozialistischen Diktatur, zum „Freibrief des Dritten Reiches”.
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Dennoch galt auch nach dem Einsatz von Art.48 Abs.2 weiterhin offiziell die Weimarer Reichsverfassung,

Welche Folgen hatte die Weimarer Republik?

Grundzüge – Die Republik hatte mehrere Strukturprobleme aus der Kaiserzeit geerbt, so die Wirtschafts- und Sozialordnung sowie die konfessionell geprägte Schulpolitik. Dazu kamen Phänomene, die das Scheitern der Weimarer Demokratie direkt beeinflussten:

  • Der Erste Weltkrieg hinterließ schwere ökonomische und soziale Lasten. Insbesondere die faktische Enteignung vieler Bürger durch die Hyperinflation und die nach dem Versailler Vertrag geforderten Reparationen erwiesen sich als – nicht zuletzt psychologische – Belastung und wurden von den Gegnern der Republik für ihre Agitation gegen die „ Erfüllungspolitik ” genutzt.
  • Da die demokratischen Politiker im Kaiserreich von der Führung der Staatsgeschäfte ausgeschlossen gewesen waren, stützten sie sich in Militär, Verwaltung und Justiz weiterhin auf das vorhandene Personal, das die republikanische Staatsform und die Demokratie jedoch weitgehend ablehnte. Mit Ausnahme Preußens fand keine grundlegende Demokratisierung der Beamtenschaft statt. Symptomatisch dafür waren die vielfach politisch motivierten Urteile der Justiz: Rechte Straftäter wurden vielfach mit wesentlich milderen Urteilen belegt als linke.
  • Auch große Teile der Bevölkerung lehnten bürgerliche Demokratie und Republik ab: Konservative und Rechtsextreme verbreiteten die Dolchstoßlegende, nach der nicht die kaiserliche, sondern die neue demokratische Regierung für die Kriegsniederlage und den als demütigend empfundenen Friedensvertrag von Versailles verantwortlich gewesen sei. Auf der Linken hatten die Kämpfe während der Novemberrevolution zu einer unversöhnlichen Haltung der Kommunisten gegenüber den Sozialdemokraten geführt, die sie von einem gemeinsamen Vorgehen gegen die Feinde der Republik abhielten.

Die Weimarer Verfassung galt zu ihrer Zeit als eine der fortschrittlichsten überhaupt. Sie war nach der Märzrevolution von 1848 der zweite – und erste erfolgreiche – Versuch, eine liberale Demokratie in Deutschland zu etablieren. Die schon unter Zeitgenossen verbreitete These, der Staat von Weimar sei eine „Demokratie ohne Demokraten” gewesen, ist nur bedingt richtig, weist aber auf ein wesentliches Problem hin: Es gab keinen tragfähigen Verfassungskonsens, der alle Teile des politischen Spektrums von rechts bis links eingebunden hätte.

Nach dem Tod des ersten Reichspräsidenten, des SPD-Politikers Friedrich Ebert, wurde 1925 mit Paul von Hindenburg ein konservativer Nachfolger gewählt, der der republikanischen Staatsform betont kritisch gegenüberstand. Die meisten politischen Parteien zur Zeit der Weimarer Republik hatten ihre ideologische Ausrichtung von ihren unmittelbaren Vorgängern im Kaiserreich übernommen und vertraten weitgehend die Interessen ihrer jeweiligen Klientel.

Die Aufteilung nach Interessengruppen und Sozialmilieus wie Arbeiterbewegung oder Katholiken wurde als Partikularismus gescholten. Im Reichstag, dem Parlament, waren zeitweise bis zu 17 und selten weniger als 11 verschiedene Parteien vertreten. In 14 Jahren gab es 20 Kabinettswechsel.

Elf Minderheitenkabinette waren von der Duldung durch Parteien abhängig, die nicht zur Regierungskoalition gehörten. Die relative Stabilisierung der Weimarer Republik nach dem Ende der Großen Inflation endete mit den wirtschaftlichen und sozialen Verwerfungen, die dem Schwarzen Donnerstag der New Yorker Börse 1929 gerade in Deutschland folgten.

Der Abzug von kurzfristigen Krediten amerikanischer Investoren, die einen zwischenzeitlichen Aufschwung gespeist hatten, trug zu der einsetzenden Wirtschaftsdepression wesentlich bei: stockender Warenabsatz, rückläufige Produktion, Massenentlassungen und -arbeitslosigkeit samt schwindender Kaufkraft bewirkten eine Abwärtsspirale ungekannten Ausmaßes, der die im Aufbau befindlichen sozialen Sicherungssysteme nicht gewachsen waren.

  • Da es seit März 1930 keine von der Reichstagsmehrheit getragene Regierung mehr gab, regierten Reichspräsident Hindenburg und die von ihm ernannten Reichskanzler von da an vor allem mit Hilfe von Notverordnungen,
  • Die Reichstagswahlen 1930 zeitigten den Aufstieg der rechtsradikalen NSDAP zu einer bedeutenden Kraft im Weimarer Parteienspektrum.

Seit dem Sommer 1932 verfügten die republik- und demokratiefeindlichen Parteien, neben der NSDAP die rechtskonservative Deutschnationale Volkspartei (DNVP) und die linksradikale Kommunistische Partei Deutschlands (KPD), zusammen über eine negative Mehrheit im Reichstag.

Warum nennt man die erste deutsche Republik Weimarer Republik?

Sie wird heute „Weimarer Republik’ genannt, nach der Stadt Weimar, in der sie ihre Verfassung erhielt. In der Zeit ihres Bestehens erlebten die Menschen in Deutschland schwere politische und wirtschaftliche Krisen, aber auch den Aufbruch in eine moderne demokratische Gesellschaft.

Wie kam es zum Krisenjahr 1923?

Der Hauptauslöser für das Krisenjahr war der erste Weltkrieg. Denn die Kriegsschulden Deutschlands führten zum Ruhrstreik, der die Inflation begünstigte. Das fehlende Vertrauen in die Regierung endete schließlich im Hitler-Putsch.

Wie hieß die Weimarer Republik offiziell?

Weimarer Republik In diesem Gebäude, dem Deutschen Nationaltheater in Weimar, tagte 1919 die Deutsche Nationalversammlung. (© picture alliance / ZB) Nach dem Ersten Weltkrieg musste der deutsche Kaiser zurücktreten. Es entstand die sogenannte Weimarer Republik (1919-1933).

Der Name ist schnell erklärt: In der Stadt Weimar kam 1919 eine Nationalversammlung zusammen und arbeitete eine demokratische Verfassung für das Deutsche Reich (die „Weimarer Reichsverfassung”) aus. Friedrich Ebert, der erste Reichspräsident der Weimarer Republik von 1919-1925. (© picture alliance / akg-images) Friedrich Ebert, der erste Reichspräsident der Weimarer Republik von 1919-1925.

(© picture alliance / akg-images) Friedrich Ebert, der erste Reichspräsident der Weimarer Republik von 1919-1925. (© picture alliance / akg-images) Mit dieser Verfassung wurde Deutschland ein parlamentarisch-demokratischer Bundesstaat. Im Reichstag in Berlin tagte das von allen Bürgerinnen und Bürgern demokratisch gewählte Parlament.

  • Erstmals hatten 1919 auch die Frauen das Wahlrecht bekommen.
  • Staatsoberhaupt der Weimarer Republik war der vom Volk gewählte Reichspräsident (1919-1925: Friedrich Ebert, ab 1925: Paul von Hindenburg).
  • Banknoten aus der Zeit der Inflation von 1923 in Deutschland.
  • © picture alliance / akg-images) Banknoten aus der Zeit der Inflation von 1923 in Deutschland.

(© picture alliance / akg-images) Banknoten aus der Zeit der Inflation von 1923 in Deutschland. (© picture alliance / akg-images) Die Weimarer Republik hatte von Anfang an mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg gab es riesige wirtschaftliche Probleme.

Was ist 1919 passiert?

Die Niederschlagung des Spartakusaufstands in Berlin beendet die Novemberrevolution. Friedrich Ebert wird als Reichspräsident vereidigt. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht werden ermordet.

Was ist die alte Elite?

1 Einleitung – Im Rahmen dieser Hausarbeit stehen zwei Teil-Eliten im Zentrum der Betrachtung, welche die Geschichte Deutschlands in den vergangenen Jahrzehnten so bestimmt und geprägt haben wie keine andere: die politische und die militärische Elite.

  1. Allerdings gestaltet sich die Verwendung des Elite-Begriffs in Deutschland schwieriger als in anderen Ländern.
  2. Dies daran, dass während des Dritten Reiches, im Rahmen von Führerkult und Herrenrasse, der Begriff der Elite eine negative Prägung erfahren hat.
  3. Der Elite-Begriff ist in der Literatur nicht einheitlich definiert worden.

Diese Hausarbeit orientiert sich am Positionsansatz, also an den jeweiligen Führungskräften der einzelnen Sektoren, da diesen der größte Einfluss auf wichtige gesellschaftliche Entscheidungen zukommt. „Das heißt, dass zu den Eliten fast ausschließlich die Inhaber von Führungspositionen in den gesellschaftlich wichtigsten Institutionen und Organisationen gehören” (Hoffmann-Lange 1991, S.7).

Dabei kann die Grenze zwischen Eliten und Nicht-Eliten allerdings nicht klar gezogen werden. Des Weiteren dürfen auch Machtunterschiede innerhalb der Elitegruppen nicht außer Acht gelassen werden. Die Bedeutung der Eliten liegt vor allem darin, dass von ihren Merkmalen und Verhaltensweisen auf die der ganzen Gesellschaft geschlossen wird.

Allerdings können bei näherer Betrachtung durchaus auch Abweichungen zwischen Eliten und Bevölkerung festgestellt werden. Der politischen Elite kommt eine zentrale Bedeutung zu, da sie die Hauptverantwortung für die politischen Entscheidungen trägt. Die politische Elite im engeren Sinn umfasst all jene Personen, die unmittelbar an den politischen Entscheidungen mitwirken.

Sie beschränkt sich daher im Wesentlichen auf die führenden Politiker. Aber auch die Führungsgremien der Parteien sind aufgrund ihres personalpolitischen Einflusses auf die Politik dazuzurechnen. Die politische Elite im weiteren Sinn beinhaltet außerdem „alle Organisationen, deren Repräsentanten aktiv an politischen Entscheidungsprozessen beteiligt sind, also neben den Repräsentanten politischer Institutionen und Organisationen auch Vertreter der öffentlichen Verwaltung und der Interessengruppen” (Hoffmann-Lange 1992, S.86f).

Dabei ergibt sich die Bedeutung der öffentlichen Verwaltung aus ihrer zentralen Stellung bei der Vorbereitung und dem Vollzug der Gesetze. Die Wertvorstellungen der Personen, die die politische Macht innehaben oder kontrollieren, sind somit entscheidend für das Funktionieren einer Demokratie, da diese die Entwicklung der politischen Institutionen beeinflussen können.

Die militärische Elite besitzt das bedeutendste Gewaltmonopol des Staates und stellt somit einen nicht zu unterschätzenden Machtfaktor dar. Gerade in Deutschland ist die Bindung zwischen Politik und Militär traditionell sehr stark, auch wenn es infolge der historischen Entwicklung diesbezüglich zu einer erheblichen Wandlung gekommen ist.

Herrschte während des Kaiserreiches noch eine enge Symbiose von politischer und militärischer Macht, so ist heute die militärische Führung der politischen ganz klar untergeordnet. Generell erfolgt die Rekrutierung der Eliten in hohem Maße aus den gesellschaftlich privilegierten Gruppen.

Als Rekrutierungskriterien sind dabei regionale, religiöse oder auch ethnische Zugehörigkeiten sowie natürlich gesellschaftliche Herkunft zu nennen. Allerdings muss man trotz der überproportionalen Rekrutierung aus gehobenen sozialen Milieus beachten, dass inzwischen nur ein kleiner Teil der deutschen Elite aus den Oberschichtfamilien im engeren Sinn stammt.

Zudem ist, bedingt vor allem durch die beiden Weltkriege und deren wirtschaftliche und soziale Folgen, dabei durchaus eine Veränderung festzustellen. So stellt die individuelle Leistung mittlerweile einen entscheidenden Faktor dar, wogegen die soziale Herkunft etwas an Bedeutung verloren hat.

Heute sind vormals gültige soziale Zugangsbeschränkungen, die Nichtadelige oder Angehörige bestimmter religiöser oder politischer Minderheiten grundsätzlich von Herrschaftspositionen ausschlossen, offenen Rekrutierungsbedingungen gewichen, bei denen die fachliche Qualifikation die ausschlaggebende Rolle für den Aufstieg in Führungspositionen spielt” (Hoffmann-Lange 1991, S.12).

Juristen nehmen nach wie vor eine dominierende Position in der deutschen Elite ein, auch wenn ihr prozentualer Anteil mittlerweile rückläufig ist. Dabei sind die Aufstiegschancen für Frauen durch Diskriminierung und geringere Karriereorientierung immer noch tendenziell geringer.

  • Trotz dieser marginalen Veränderungen ist im Großen und Ganzen bei der soziodemographischen Zusammensetzung der Eliten ein hohes Maß an Kontinuität auszumachen.
  • Die deutsche Elite ist im Vergleich zu der anderer Staaten durch eine sehr heterogene Zusammensetzung gekennzeichnet.
  • Während es in anderen Staaten beispielsweise vorgegebene Rekrutierungsmuster für die Eliten gibt, ist dies in Deutschland nicht der Fall.

Somit steht im Grunde jedem der Zugang zu den Eliten offen, da diese nicht so in sich geschlossen sind, wie dies in Frankreich, England oder auch den USA der Fall ist. Darin besteht einer der größten Vorzüge der deutschen Elitenbildung. Andererseits würde eine einheitliche Elitenrekrutierung zu einem höheren Grad der Integration und Kommunikation zwischen den einzelnen Teil-Eliten beitragen.

  1. Dies könnte beispielsweise durch die in letzter Zeit stark diskutierte Errichtung von Elite-Universitäten erreicht werden.
  2. Die These vom ‚Versagen der deutschen Eliten’, insbesondere in der Weimarer Republik, ist auf den Verlauf der demokratischen Entwicklung in Deutschland und die bedeutende Rolle, die den Eliten bei der Etablierung demokratischer Institutionen zugeschrieben wird, zurückzuführen.

In diesem Zusammenhang ist die Theorie vom ‚Sonderweg Deutschlands’ entstanden. Dieser wird auf die deutschen Besonderheiten in der Sozialstruktur und der politischen Kultur zurückgeführt. Als Hauptursache für diese abweichende Entwicklung wird dabei allgemein das Scheitern der Märzrevolution 1948/49 angesehen, da daraufhin die nationale Einheit 1871 nicht durch das liberale Bürgertum herbeigeführt, sondern vielmehr dem Volk von oben verordnet wurde.

Das Bürgertum im Kaiserreich beschränkte sich auf die Wirtschaft und überließ den alten Eliten, also dem Adel und den Großgrundbesitzern, die politische Macht. Infolgedessen „beschränkte sich die Modernisierung in Deutschland auf die wirtschaftlichen Strukturen, während die traditionellen sozialen und politischen Strukturen unangetastet blieben” (Hoffmann-Lange 1992, S.45).

Die Sozialstruktur in Deutschland war lange Zeit durch die konfessionelle Spaltung bestimmt. Diese findet bis heute ihren Niederschlag in der – inzwischen geringeren – Unterrepräsentation der Katholiken in den deutschen Eliten. Begründet wird dies nicht nur mit der calvinistischen Leistungsethik sondern auch mit der politischen Dominanz des protestantischen Preußen.

  1. Allerdings lässt sich beobachten, dass „von der Jahrhundertwende an die Katholiken zumindest im parlamentarischen Bereich () in steigendem Maß an Einfluss gewannen” (Zapf 1965, S.173).
  2. Allerdings ist die Sonderwegthese in ihrer genauen Definition alles andere als unumstritten.
  3. Zum einen stellt sich die Frage, ob überhaupt von einem Normalmodell demokratischer Entwicklung ausgegangen werden kann.

Zum anderen erfordert der Übergang von einer feudalen zu einer industrialisierten Gesellschaft zwar durchaus rechtliche und soziale Veränderungen; diese müssen sich jedoch nicht unbedingt auf die Demokratisierung politischer Einrichtungen beziehen. Vielmehr sind für eine erfolgreiche Industrialisierung Rahmenbedingungen wie Rechtsstaatlichkeit und Sicherung der Eigentumsrechte ausschlaggebend.

Was war gut an der Weimarer Verfassung?

Die Weimarer Verfassung 1919 setzte Volkssouveränität, Gewaltenteilung und Grundrechte als ihre zentralen Prinzipien fest. Damit ersetzte sie die Monarchie und ermöglichte allen Bürgern der Weimarer Republik ein Mitspracherecht durch freie Wahlen. Deutschland war nun eine Demokratie.

Welche Fehler der Weimarer Verfassung wollten die Verfasser des Grundgesetzes vermeiden?

100 Jahre Nationalversammlung – Die Konstruktionsfehler der Weimarer Reichsverfassung Archiv Vor 100 Jahren trat die Nationalversammlung erstmals zusammen und brachte die Weimarer Reichsverfassung auf den Weg. Sie galt als die liberalste Verfassung der damaligen Zeit, wies aber auch verhängnisvolle Konstruktionsmängel auf, die letztlich den Feinden der Republik den Weg freimachten.

Gründlich recherchierte und sorgfältig aufbereitete Analysen: Im “Hintergrund” werden die wichtigsten Themen aus dem In- und Ausland behandelt. Dazu gehören auch besonders relevante wirtschaftliche und soziale Entwicklungen oder prägende gesellschafts- und kulturpolitische Debatten. Die Sendung vermittelt Vorgeschichte und Zusammenhänge, liefert Einblicke und Ausblicke – ein wichtiger Wegweiser in einer immer komplexeren Welt.

Wegbereiter der Weimarer Verfassung: Rat der Volksbeauftragten im Januar 1919 (IBA-ARCHIV) Das Wesentliche unserer Verfassung soll vor allem Freiheit sein. Freiheit für alle Volksgenossen. Ihr Vertrauen wird mir die Kraft geben, immer der Erste zu sein, wenn es gilt, Bekämpfung, Enttäuschung abzulegen für den neuen Friedensgrundsatz des deutschen Volkes: Für Freiheit, Recht und soziale Wohlfahrt.” So verkündete Reichspräsident Friedrich Ebert das Inkrafttreten der Weimarer Reichsverfassung am 14.

  • August 1919.
  • Das Werk war vollbracht, nachdem es die Verfassunggebende Nationalversammlung mit 262 Ja- gegen 75 Nein-Stimmen beschlossen hatte.
  • Napp sieben Monate vorher, am 19.
  • Januar 1919, war die Verfassunggebende Nationalversammlung gewählt worden.
  • Noch nie zuvor war es bei einer Wahl in Deutschland so demokratisch zugegangen wie bei dieser.

Alle durften wählen, egal ob Mann oder Frau, wenn sie mindestens zwanzig Jahre alt waren. Die SPD ging zwar als stärkste Kraft aus den Wahlen hervor, ohne absolute Mehrheit war sie jedoch auf Koalitionspartner angewiesen. Zusammen mit der katholischen Zentrumspartei und der liberal-fortschrittlichen Deutschen Demokratischen Partei bildete sie die sogenannte Weimarer Koalition.

Dieses Votum entsprach offenbar dem Willen des Volkes. Endlich sollte Ruhe einkehren nach den turbulenten Wochen seit der Novemberrevolution. Obwohl der Reichsrätekongress im Dezember 1918 eine klare Entscheidung für eine parlamentarische Demokratie und gegen eine Räterepublik getroffen hatte, waren erneut blutige Kämpfe zwischen Spartakisten und den Truppen der Reichsregierung aufgeflammt, die auch noch über die Wahlen vom 19.

Januar hinaus anhalten sollten, zum Beispiel in München, besonders aber in Berlin. Flucht vor den Unruhen nach Weimar Deshalb trat die Nationalversammlung am 6. Februar 1919 nicht in der Hauptstadt, sondern im Nationaltheater der deutschen Klassikerstätte Weimar zusammen.

  • Friedrich Ebert, der Vorsitzende jenes Rates der Volksbeauftragten, der bis zum Zusammentritt der Nationalversammlung die Reichsregierung treuhänderisch gebildet hatte, eröffnete mit den Worten: “Besonders herzlich begrüße ich die Frauen, die zum ersten Mal gleichberechtigt im Reichstag erscheinen.
  • Die provisorische Regierung verdankt ihr Mandat der Revolution; sie wird es in die Hände der Nationalversammlung zurücklegen.

Jetzt muss der Geist von Weimar, der Geist der Philosophen und Dichter, wieder unser Leben erfüllen.” Von nun an bis zur Schlussabstimmung am 31. Juli verhandelte die Nationalversammlung über eine neue demokratisch-parlamentarische Rechtsordnung. Zugrunde lag ein Verfassungsentwurf, den Ebert im November 1918, als er noch Reichskanzler war, beim Staatssekretär im Innenministerium, Hugo Preuss, in Auftrag gegeben hatte. Demonstrantinnen für das Frauen-Wahlrecht 1912 in Berlin: “Liberalste Verfassung der Welt” (akg-images) Doch die Arbeitsatmosphäre habe sich konstruktiver gestaltet als zunächst erwartet worden war, erzählt die Rechtswissenschaftlerin und frühere Richterin am Bundesverfassungsgericht Gertrude Lübbe-Wolff: “Nach den Berichten, die wir davon haben, ging das nicht so polarisierend, wie man das vielleicht angesichts der Überzeugungs- und Interessengegensätze meinen könnte, vor sich.

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Wir haben Berichte von Anschütz, dem Staatsrechtler der damaligen Zeit im Verfassungsausschuss, der eine friedliche Verständigung am Werk sah. Also es gab durchaus Bereitschaft im Sinne der Demokratie, nämlich im Sinne von Verständigung und Kompromiss, zusammen zu arbeiten. So heißt es in der Präambel der Weimarer Reichsverfassung: “Das deutsche Volk, einig in seinen Stämmen und von dem Willen beseelt, sein Reich in Freiheit und Gerechtigkeit zu erneuern und zu festigen, dem inneren und äußeren Frieden zu dienen und den gesellschaftlichen Fortschritt zu fördern, hat sich diese Verfassung gegeben.” Im Positiven gilt die Weimarer Reichsverfassung weithin als eine ausgewogene Mischung aus sozialdemokratischen Reformideen, liberalen Strömungen und dem politischen Katholizismus.

Sie enthält viele sozialstaatliche Elemente, wie sie bis dato keine andere Verfassung der Welt aufzuweisen hatte. Liberalste Verfassung der damaligen Zeit So werden unter dem Titel “Grundrechte und Grundpflichten der Deutschen” die Arbeiter und Angestellten dazu berufen, gleichberechtigt mit den Unternehmern an der Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen mitzuwirken.

  • Außerdem werden ein einheitliches Arbeitsrecht, die Koalitionsfreiheit und ein offenes und allgemein zugängliches Schul- und höheres Bildungssystem garantiert.
  • Die Verfassung schreibt in der Systemfrage die “Freiheit des Handels und Gewerbes” eindeutig fest.
  • Dafür mussten die Unternehmer die betriebliche Mitbestimmung, den 8-Stunden-Tag, die 48-Stunden-Woche und Tariflöhne hinnehmen, um Enteignungen oder andere Umwälzungen zu verhindern.

Auch geht der Verfassungstext davon aus, dass Eigentum nicht nur gewährleistet wird, sein verpflichtender Gebrauch sollte zugleich “Dienst sein für das allgemein Beste”. Für den Historiker Robert Gerwarth, Leiter des Zentrums für Kriegsstudien am University College Dublin, wurde hier Beachtliches erreicht.

Zu diesem Zeitpunkt, im Sommer 1919, sei dies die liberalste Verfassung der Welt gewesen. Vor allem auch dank der Einführung des Frauenwahlrechts: “Und das ist schon ein sehr wichtiger Punkt, der oftmals verloren geht, weil die Geschichte der Weimarer Republik, wie überhaupt die Geschichte des 20. Jahrhunderts – insbesondere auf der Ebene der Politikgeschichte – sehr oft als Männergeschichte geschrieben wird, dass bis 1918 halt mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausgeschlossen war von der politischen Willensbildung.” Diktaturparagraf – der Anfang vom Ende der Republik Doch die Weimarer Reichsverfassung ging nicht nur mit gutem Beispiel voran.

Sie schrieb mit ihren Konstruktionsfehlern im institutionellen Hauptteil eine verhängnisvolle Negativgeschichte. Dazu zählen vor allem die zu starke Stellung des Reichspräsidenten, sowie die Möglichkeit eines negativen Misstrauensvotums des Reichstags gegenüber dem Kanzler und seinen Ministern.

Beides trug entscheidend dazu bei, das politische System erst in fataler Weise zu lähmen und am Ende die Republik – durch die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler – in eine Präsidialdiktatur umzuwandeln. Der sogenannte Diktaturparagraf 48 erlaubte dem Reichspräsidenten nicht nur Notverordnungen, sondern er sah auch eine sogenannte “Reichsexekution” vor.

Und das hieß, bei Unruhen im Innern des Landes mit der Reichswehr militärisch intervenieren und dabei vorübergehend Grundrechte außer Kraft setzen zu können. So geschehen bei der blutigen Niederschlagung der Ruhrkämpfe von 1920 und 1923. Als paralysierend wirkte sich zudem der Schwebezustand zwischen der Exekutiven und der Legislativen aus.

Der Historiker Sebastian Ullrich hat dies in seiner Dissertation über den “Weimar-Komplex” thematisiert: “Das Kernproblem der Weimarer Verfassung ist der nicht gelöste Dualismus zwischen dem Reichspräsidenten und dem Reichstag. Man hat im Grunde genommen zwei Zentralstellen der politischen Ordnung, und es ist nicht klar, wer die Oberhand gewinnt.

Und es ist keine eindeutige Entscheidung da. Der Reichspräsident kann zwar die Regierung ernennen. Wenn sie dem Parlament nicht gefällt, dann bekommt sie ein Misstrauensvotum ausgesprochen. Dann kann er das Parlament auflösen, zeitweilig mit Notverordnungen regieren, muss aber nach sechzig Tagen das Parlament neu wählen lassen und steht dann wieder vor demselben Problem.

Und die Notverordnungen sind auf Verlangen des Reichstags auszusetzen.” Dieser Dualismus führte in der Konsequenz zu einer – wie Udo Di Fabio es nennt – Zitat: “unklaren Zentralität bei der politischen Richtlinienkompetenz”. Das politische Zentrum sei nicht eindeutig definiert gewesen, davon ist der ehemalige Verfassungsrichter in Karlsruhe überzeugt.

Auch di Fabio hat im vergangenen Herbst ein Buch über die Weimarer Verfassung vorgelegt: “Richtlinienkompetenz hatte auch in Weimar der Reichskanzler. Aber er war abhängig sowohl vom Reichspräsidenten als auch vom Reichstag. Und in dieser doppelten Abhängigkeit konnte sich die Zentralität der Richtlinienkompetenz nicht entfalten. Feinde der Republik: Reichspräsident von Hindenburg mit Adolf Hitler im Jahr 1929 (World History Archive) Nämlich als Hindenburg im März 1930 versuchte, mit der Ernennung Heinrich Brünings zum Reichskanzler – und unter dem Einfluss einer rechten Fronde – die Weimarer Republik in ein autoritäres Präsidialregime umzuformen.

Gertrude Lübbe-Wolff will den zum präsidialen Missbrauch einladenden Artikel 48 jedoch nicht an der Person des Amtsinhabers und dessen Haltung zu Demokratie und Parlamentarismus festmachen: “Schon der erste Präsident Ebert hat in seiner Amtszeit bis 1925 mehr als 130 Mal dieses Notverordnungsrecht benutzt, es also in einer sehr weiten Interpretation genutzt.

Und den fatalen Mangel an Institutionenverstand sehe ich darin, dass man sich doch eigentlich hätte klarmachen müssen: ‘Wenn ich, der sozialdemokratische Reichspräsident Friedrich Ebert es so machen kann, dann können das auch ganz andere Präsidenten so machen’.” Die starke Position des Reichspräsidenten, der direkt gewählt wurde, entstand aus einem Misstrauen heraus: Die Verfassungsautoren um Hugo Preuss misstrauten einer Parteienwelt zutiefst.

Als weiteres Gegengewicht sahen sie plebiszitäre Einmischungsmöglichkeiten über ein Volksbegehren und einen Volksentscheid vor. Dadurch habe die “Stunde von Demagogen und Gesinnungspolitikern” geschlagen, resümiert der Historiker Heinrich August Winkler: “Was die Plebiszite angeht – es gab nicht viele Plebiszite auf Reichsebene.

Es gab 1926, von der Linken getragen, das Volksbegehren, den Volksentscheid für die Fürstenenteignung. Und es gab 1929, getragen von den Kräften der politischen Rechten, das Volksbegehren, den Volksentscheid gegen den Young-Plan, ein Reparationsabkommen.

  • Beide Initiativen sind gescheitert.
  • Aber sie hatten negative Wirkungen”.
  • Verhängnisvolle Mängel der Weimarer Verfassung Die Weimarer Reichsverfassung war während der gesamten Dauer der ersten deutschen Republik einem Kreuzfeuer der Kritik ausgesetzt.
  • So stand bereits mit ihrem Inkrafttreten eine “Reichsreform” zur Diskussion, die zunächst das problematische Nebeneinander zwischen Reich und Preußen betraf.

Daneben ging es permanent auch um die Kritik am Parteienstaat und dem sogenannten “Parlamentsabsolutismus”. Damit war das Recht des Reichstags gemeint, Minister über ein destruktives Misstrauensvotum abzuwählen – ohne eine konstruktive Lösung beisteuern zu müssen.

Zwei Lager waren in der Reform-Debatte zu beobachten, erklärt der Historiker Sebastian Ullrich: “Das war eine Richtung. Die wollte die Funktionsweise der Weimarer Demokratie stärken, verbessern, um die Republik zu stärken. Und die andere Richtung wollte dieses Vehikel der Reichsreform benutzen, um den ungeliebten Weimarer Parteienstaat insgesamt abzuschaffen, um eine autoritärere Staatsform zu etablieren.

Diese beiden Richtungen verbanden sich dann in der Kritik am Weimarer Parlamentarismus.” Derweil befand sich die demokratische Linke schon früh in der Defensive. Sie fürchtete, die errungenen sozialen Rechte könnten wieder beschnitten werden. “Die Weimarer Koalition hatte 1920 ihre Mehrheit verloren und sie seitdem auch nie wieder zurückgewonnen.

Und die SPD war nur noch sporadisch an der Regierung beteiligt, bis sie eben 1928 wieder den Kanzler stellte. Und nicht umsonst scheiterte auch dort eben wieder diese Koalition an der Finanzierung der Arbeitslosenversicherung, also an einer sozialpolitischen Frage”. Resümierend lässt sich sagen: Die Weimarer Republik ist nicht an ihrer Verfassung gescheitert.

Dennoch wies sie verhängnisvolle Mängel auf. Und spätestens seit der Weltwirtschaftskrise und ihren verheerenden Konsequenzen Ende der 1920er Jahre fand sie auch keine Akzeptanz mehr in der Bevölkerung – weder unter Arbeitern noch den Eliten. Die Rechtswissenschaftlerin Gertrude Lübbe-Wolff: “Die Frage, ob sie an sich selbst oder eher an ungünstigen Bedingungen gescheitert ist, darüber kann man sich lange streiten.

Ich würde schon dazu neigen, den größeren Teil den außerordentlich ungünstigen Bedingungen zuzuschreiben.” “Man muss konstatieren, dass in der Endphase der Weimarer Republik diese von den Nazis ‘System’ damals genannte politische Ordnung in weiten Kreisen der Bevölkerung komplett diskreditiert war. Das setzt sich auch im Exil und Widerstand fort.

Und man spürt es dann auch noch nach 1945. Im Widerstand wollte kaum eine Gruppierung an die Weimarer Reichsverfassung anknüpfen. Zu der liberalen parlamentarischen, parteienstaatlichen Demokratie des Grundgesetzes führt von diesen Plänen kein Weg.” Ist auch der Historiker Sebastian Ullrich überzeugt.

Doch was war ausschlaggebend dafür, dass das parlamentarische System im Ansehen der Öffentlichkeit so rasant abgestürzt war? War es das Verhältniswahlrecht mit seinem umstrittenen Listensystem anstelle eines Mehrheitswahlrechtes? Für Gertrude Lübbe-Wolff liegen die Gründe tiefer: Demokratie müsse erst gelernt werden.

“Der Gedanke, dass Kompromiss und Verständigung was Gutes ist, der ist in einer Gesellschaft, die aus der Dominanz des Militärischen noch bestimmt war zur Kaiserzeit ja eigentlich fremd. Da kommt es auf Sieg oder Niederlage, nicht auf Kompromiss und Verständigung an.

  • Und gerade ein Verhältniswahlrecht zwingt nun noch mehr als ein Mehrheitswahlrecht die Parlamentsfraktionen zur Verständigung.
  • Darauf war die Gesellschaft wenig vorbereitet.” Auch der angebliche Mangel an Wehrhaftigkeit gehörte bislang zu den gängigen Kritikpunkten, die gegen die Weimarer Verfassung vorgebracht wurden.

Udo Di Fabio widerspricht: “Dass das Grundgesetz wehrhaft sei, die Weimarer Reichsverfassung aber keine Abwehrmechanismen gehabt hat, das halte ich für unzutreffend. Die Weimarer Reichsverfassung war wehrhafter als das Grundgesetz, wenn der Reichspräsident ein Demokrat war.” Lehren aus Weimar: Adenauer bei der Unterzeichnung des Grundgesetzes (picture alliance / dpa) Am 23. Mai wird der siebzigste Jahrestag des Grundgesetzes gefeiert. Der Verfassungskonvent, der dafür 1948 in Herrenchiemsee zusammenfand, hatte sich dafür intensiv mit den Vorzügen – aber auch den verhängnisvollen Konstruktionsfehlern der Weimarer Verfassung auseinandergesetzt.

  1. Der Rechtshistoriker Michael Stolleis geht ins Detail: “Es gab da verschiedene Punkte, das konstruktive Misstrauensvotum statt eines bloß destruktiven.
  2. Einen stärkeren Kanzler als in der Weimarer Zeit und einen besonders schwach ausgebildeten Bundespräsidenten.
  3. Die Gewichte waren also gerade umgedreht.

Kurzum: Man hat sowohl am Wahlrecht als auch an den Institutionen Kanzler, Präsident sehr viel geändert, hat auch einen Artikel hinein geschrieben, den es in Weimar nicht gab, nämlich Artikel 79, Absatz 3. Das sind die Grundprinzipien der Demokratie, des Rechtsstaats und des Föderalismus.” Schließlich eine der wichtigsten Neuerungen: Die unmittelbare Geltung der Grundrechte, die nicht nur Deklarationen bleiben, sondern unmittelbar wirken sollten.

Damit ist ein Riesenproblem entstanden, das nur bewältigt werden konnte mithilfe des Bundesverfassungsgerichts.” Feinde des Staates – auch heute wieder Bliebe die Frage: Gibt es heute im Ansatz Ähnlichkeiten zu den desolaten Weimarer Verhältnissen? Genau das beobachtet der Publizist und Politologe Albrecht von Lucke: “Das Thema der Flucht hat sicher derartig viele Menschen in eine Art Feindschaft zu diesem Staat gebracht, also eine Anfrage an die Rechtmäßigkeit begründet, und eine Form von verschwörungstheoretischer Infragestellung mit dem Begriff der ‘Reichsbürger’, der das in Reinkultur verkörpert, und der Vorstellung, dass man in einem absoluten Unrechtsstaat lebt.

Darin manifestiert sich aber so etwas wie eine ungeheure Abwendung von den verfassungsrechtlichen Zuständen. Und ich halte das mittlerweile für ein bedrohliches Phänomen.” Weniger dramatisch schätzt Historiker Heinrich August Winkler die derzeitige Lage ein, obwohl auch er äußerliche Parallelen nicht in Abrede stellen will: “Man denke an die nationalistische Rhetorik der äußersten Rechten, die ausgeprägte Verachtung der parlamentarischen Demokratie und der sogenannten ‘Alt-Parteien’.

Warum hat der Reichspräsident so viel Macht?

Gesellschaft Parteien Staat

Der Reichspräsident war das Staatsoberhaupt der Weimarer Republik. Er fungierte als Oberbefehlshaber der Reichswehr, ernannte und entließ den Reichskanzler und konnte den Reichstag auflösen. Auch in die Gesetzgebung konnte er eingreifen, etwa durch Notverordnungen nach Artikel 48 der Weimarer Reichsverfassung. (© Friedrich-Ebert-Stiftung) 1871-1925

Vorsitzender der SPD Vorsitzender des Rates der Volksbeauftragten Reichspräsident 1919-1925

(© Bundesarchiv Bild 146-2008-0025) 1847-1934

Chef der OHL im Ersten Weltkrieg 1925 zum Reichspräsidenten gewählt verhalf Adolf Hitler 1933 zur Macht

Glossar anzeigen

Wann war das Scheitern der Weimarer Republik?

Krise und Ende der Weimarer Republik – Die rauschenden Partys endeten mit der im Oktober 1929 beginnenden Weltwirtschaftskrise, Anfang 1931 waren in Deutschland bereits fünf Millionen Menschen als arbeitslos registriert. Das soziale System der Weimarer Republik war den Folgen der Wirtschaftskrise nicht gewachsen.

  1. Verelendung, Resignation und eine allgemeine Katastrophenstimmung prägten das Alltagsleben von breiten Bevölkerungsschichten.
  2. Die ausgedehnte Unzufriedenheit der Massen entlud sich bei den Reichstagswahlen: Am 31.
  3. Juli 1932 entfielen über 37 Prozent aller Stimmen auf die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP), die den Sturz des parlamentarischen Systems offen anstrebte.

Die ebenfalls demokratiefeindliche Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) kam auf über 14 Prozent. Auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise hatten die Wähler den “bürgerlichen” Parteien und der parlamentarischen Demokratie eine klare Absage erteilt. Die demokratischen Stimmen der Vernunft gingen 1932 im Getöse der “Rot-Front”- und “Sieg-Heil”-Rufe zunehmend unter.

  1. Mit riesigen Protestmärschen demonstrierten die Nationalsozialisten ebenso entschlossen gegen die Republik wie die Kommunisten.
  2. Immer häufiger lieferten sie sich Saal- und Straßenschlachten, die eigene Stärke demonstrieren und den Willen zur Übernahme der politischen Macht festigen sollten.
  3. Den “Heilsversprechungen” der extremen Parteien von einem “Dritten Reich” und einem “Sowjet-Deutschland” konnte die demokratische Mitte nichts mehr entgegensetzen: Vor dem Hintergrund des Wirtschaftsverfalls und des Anstiegs der Arbeitslosenzahl verloren die gemäßigten Parteien zunehmend an Einfluss.

Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler war das Ende der Weimarer Republik am 30. Januar 1933 besiegelt. To view this video please enable JavaScript, and consider upgrading to a web browser that supports HTML5 video Video: Vom Wesen und Wert der Demokratie © Stiftung Deutsches Historisches Museum Arnulf Scriba © Deutsches Historisches Museum, Berlin 6.

Was besagt der Artikel 48 der Weimarer Verfassung?

Anwendung im „Dritten Reich” – Auch während der NS-Herrschaft wurde Art.48 Abs.2 angewandt. Er spielte vor allem in den ersten Wochen nach der Ernennung Hitlers eine wichtige Rolle; später verlor er aufgrund des Ermächtigungsgesetzes an Bedeutung. Die folgenreichste Notverordnung war die sogenannte Reichstagsbrandverordnung vom 28.

Februar 1933. Auf der Grundlage des Art.48 Abs.2 („Maßnahmen bei Störung von Sicherheit und Ordnung”) setzte sie wesentliche Grundrechte außer Kraft und übertrug Befugnisse des Reichspräsidenten auf die neue Reichsregierung unter Hitler. Die Notverordnung wurde damit zur normativen Grundlage der nationalsozialistischen Diktatur, zum „Freibrief des Dritten Reiches”.

Dennoch galt auch nach dem Einsatz von Art.48 Abs.2 weiterhin offiziell die Weimarer Reichsverfassung,

Wer ruft die Weimarer Republik aus?

Ausrufung der Republik 9. November 1918 Philipp Scheidemann, September / Oktober 1918 BArch, Bild 146-1970-051-17 / Alfres Grohs Ausgelöst durch den Aufstand der Matrosen in Kiel breitete sich die revolutionäre Bewegung aus und erreichte am 9. November 1918 die Reichshauptstadt Berlin.

  • Dort verkündete am Mittag der Reichskanzler Max von Baden unautorisiert die Abdankung des Kaisers.
  • Gleichzeitig übertrug er das Amt des Reichskanzlers an Friedrich Ebert, den Führer der Mehrheits­sozialdemokraten.
  • Ebert versprach, eine Nationalversammlung wählen zu lassen, die über die künftige Verfassung des Reiches und über die Staatsform (Monarchie oder Republik) entscheiden sollte.

Doch die Ereignisse entwickelten sich schneller als von Ebert und Max von Baden geplant. Am Nachmittag rief Philipp Scheidemann von einem Fenster des Reichstages vor der dort wartenden Menschenmenge die Republik aus. Am Abend proklamierte dann Karl Liebknecht von einem Balkon des Schlosses die „Freie Sozialistische Republik Deutschlands”.